120Religionen, angenommen werden, ernähren die Einwohner vieleumbliegende Städte, Flecken und Aembter: es seynd auch allhierdie Häuser, wegen Vielheit der Handwercks=Leuthen, in grossemWerth: ihr Lacken ist sehr berühmt, und wird durch viele Ländergeführt. In Summa, es kan diese Stadt vor eine vornehmeHandels=Stadt Bergischen Landes gehalten werden. Die Einwohnerallhier, sowol Mann= als Frauens=Personen, seynd nicht stoltz,halten sich bürgerlich, ihr Geld verwenden sie lieber zur Handlung,an Spanische5) und andere Wolle, als zur Hoffart, derowegen soseynd auch die silbern und güldene Borden, weder Reiffen=Röcke,allhier gar in keinem Brauch noch Ansehen.Die zweyte Haupt=Stadt Bergischen Landes Düsseldorffs).liegt in einer Ebene sehr lustig am Rhein, und hat den Namenvon einem Wässergen, so dardurch fliesset, und die Stadt=Mühlentreibet, die Düssel genant. In dieser Stadt ist das an demRhein=Strohm plaisirlich und sehr lustig gelegene Chur=FürstlicheSchloß⁷) welches einen grossen und langen Ritter=Saal, aucheinen lang= und breiten, mit sauberen Hau=Steinen belegten Gangbiß in die Schloß=Capelle in sich hat; so wol die Schatz=Cammer,Hoff= und Rechen=Cammer, das Gieß= und Zeug=Hauß, besondersdie Galerien, item das von Ihro Chur=Fürstl. Durchl. JohannWilhelm, Höchst=seligster Gedächtnüs, auff dem Marckt in derStadt stehendes, von Metall gegossenes, sehr sauber und kostbahresPferd und darauff gegossenes Bildnüs,s) als wol auch der vorder Stadt liegender, mit schönen Bäumen und Hecken bepflantzterHoff=Garten, item die vor der Stadt gelegene erbaute Casarmen (so!),sind besehens würdig. Die Geistliche, nemlich die Jesuiten, Capu-einer, Creutz=Brüder, geistliche Nonnen und übrige, haben saubereClöster?) und Kirchen; es werden auch allhier Evangelisch=Lutherischeund Reformirte 10) Kirchen und Gemeinden geduldet; die Ein-wohner haben vor der Stadt schöne Garten und Sommer=Häuser.Es hat auch jetziger Glorwürdigst=Regierender Chur=Fürst undsehr beliebter Landes=Herr, Herr Carl Philipp, diese Stadt, zumewigen Ruhm starck befestigen, mit tieffen breiten Graben so wolals Aussenwerckern versehen lassen.!) Allhier in dieser Stadt seynd-über Gülich und Berge Cantzeler, Praesidenten, Geheimbe, Hoff-und Cammer=Räthe gegenwärtig. Es ist auch allhier an Advocaten,Sollicitanten und Procuratoren, so den Gülich= und BergischenHoch= und Niedrigen vor Geld bedient seynd, keinen Mangel.
Druckschrift
Zwei geographische Beschreibungen des Herzogtums Berg aus dem ersten Drittel des 18. Jahrhunderts
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