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Abth. 3, Die Neuzeit Supplement 1 (1882) Russische Kriege im 17. Jahrhundert
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5. Russische Kriege unter Alexei Michailowitsch (16581666). 255

im Interesse Polen's lag, die russischen Waffen gegen Schweden zu keh-ren, so lag es jetzt in seinem Interesse, durch russische Truppen sichgegen die Türken helfen zu lassen. in beiden Fällen hatte es fast um-sonst die ungeheuren Opfer an Menschen und Geld gebracht, sie geopfertohne das wichtigste und Haupt-Ziel zu erreichen, um dessentwillen der ersteund zweite Krieg mit Polen unternommen worden war, nämlich die end-liche und definitive Losreissung der alten Erbschaft Russland's in demJaroslawer Gebiet bis zu den Flüssen Njemen und San, was zu dieserZeit unter gewissen Umständen möglich war, dagegen, wenn nicht voll-bracht, enorme Anstrengungen und Opfer in der Folge forderte, und dasnun sogar nach 120 Jahren noch nicht ganz vollendet war.

Deshalb zeigen der erste und zweite Krieg Russland's gegen Polenunter dem Zaren Alexei Michailowitsch auch in kriegerischer Bezie-hung ein gänzliches Nichtübereinstimmen: l) ihres Anfanges mit denaussergewöhnlich wichtigen politischen Zielen, den ungeheueren Kriegs-mitteln und der persönlichen weisen Leitungdurch den Zaren selbst. 2) ihrerFortsetzung mit weit geringeren Mitteln und Kunst, dafür aber mit immerbedeutenderen Opfer und Misserfolgen, und gegen wen? gegen dasohnmächtige Polen, welches sich selbst kaum aufrecht zu halten ver-mochte, und 3) ihres Endes mit demNichterlangen auch nur der Hälfteihrer Zwecke, zum offenbaren Nachtheil Russland's und zum Vortheiljenes selben Polen's. Aber die Hauptschuld daran trug. wie schon ofterwähnt, die absolute Unzulänglichkeit des gesammtenKriegssystems Russland's in jeder Hinsicht, das seine Zeitschon vollkommen überlebt hatte, angesichts der gleichzeitigen militäri-schen Vervollkommnungen Westeuropa's und trotz aller AnstrengungenMichael Feodorowitsch's und besonders Alexei Michailo-witsch's, auf den alten Baum einige junge Reiser zu pfropfen, schlechtallerdings genährt durch die Lebenssäfte seines Stammes. Das folgendeVierteljahrhundert zeigt nur noch wenige Spuren derselben Erscheinung,bis der grosse Sohn Alexei Michailowitsch' eine vollkommene Um-änderung des Kriegssystems Russland's durchgeführt hatte.