254 I- Kriege von 1613—1689.
scher und polnischer Bevollmächtigter behufs Friedensunterhandlungeneröffnet, wozu auf beiden Seiten ein Waffenstillstand geschlossen wurdeund dieKriegsoperationen ruhten. Aber dieVerhandlungen zogen sich erfolg-los in die Länge, bis die Nachricht von dem Batager Unglück eintraf: nunerst willigten die Polen ein, die östliche linksufrige Ukraine für immer undKiew für 2 Jahre an Russland abzutreten. Die endgültigen Verhandlungenwurden jedoch erst am 30. Januar (9. Februar) 1667 abgeschlossen durchUnterzeichnung des Vertrages über einenWaffenstillstand von 13 Jahren und6 Monaten unter folgenden Bedingungen: 1) Smolensk und das Sjävers-ker Fürstenthum bleiben in russischen Besitz; 2) Polozk, Witebsk unddie Städte Süd-Livonien's, welche von russischen Truppen besetzt wa-ren, werden an Polen zurückgegeben; 3) Kleinrussland oder die Ukraineauf der linken Dnjepr-Seite bleiben im russischen, die des rechten Ufersim polnischen Besitz: 4) Kiew ist auf zwei Jahre an Russland abzutre-ten, nach deren Ablauf es an Polen zurückkehrt*); 5) den Saporogernwird gestattet, unter dem Schutze von Russland und Polen zu verblei-ben, mit der Verpflichtung, die Grenzen gegen Tataren und Türken zuschützen.
Dieser Friede von Andrussowo war für Polen weit vortheilhafter,als für Russland. Ersteres trat das ab, was es nicht behaupten konnte,und erlangte Freiheit der Action gegen die Türken, Letzteres trat ab,was es eroberte hatte und bereits beherrschte, ja es zahlte sogar an Po-len 1 Million Goldstücke oder 200 000 damaliger Rubel (ungefähr 700 000heutiger Rubel) und es verpflichtete sich, Polen gegen die Türken miteinem Hülfsheere von 5 000 Mann Cavallerie und 20 000 Mann Fussvolkzu unterstützen, und an die donischen Kasaken und Kalmüken Befehlzu senden die Krym mit Krieg zu überziehen. Ausserdem verursachtedieser Friede die äusserste Unzufriedenheit der Kasaken des rechtenDnjeprufers, welche gewaltsam von ihren Brüdern (Kameraden) des lin-ken Ufers getrennt wurden, und der Saporoger, welche in die üble Lagedoppelter Zinspflichtigkeit gebracht waren. Somit war der Friede vonAndrussowo für Russland überhaupt nur darin günstig, dass er den lang-wierigen , druckenden und verheerenden Krieg mit Polen beendete undSmolensk, das Sjäversker Fürstenthum und die linksufrige Ukraine inRussland's festen Besitz brachte, in allen übrigen Beziehungen war ernicht nur viel unvortheilhafter für Russland, sondern auch ein eben sol-cher politischer Fehler wie der Vertrag von Wilna. Wie es damals nicht
*) Nach Verlauf von zwei Jahren wurde es nicht an Polen zurückgegeben, weildie Kasaken im Falle der Rückgabe drohten, die Türken herbei zu rufen, und weilder polnische Eeichstag die Versprechungen hinsichtlich der Artikel über dasBünd-niss nicht hielt.