6. Russische Kriege unter Alexei Slichailowitsch (1658—1666). 229
derThat brach Trubezkoi ans Moskau am 15. Januar mit einem 150000Mann starken Heere auf, am 30. Januar befand er sich schon in Ssjäwsk.Allein die Bestimmung Trubezkoi's ging nicht sowohl dahin, durchGewalt der Waffen zu wirken, als vielmehr um jeden Preis Wygowskivon Polen ab und zu Kussland herüber zu ziehen und dadurch einenglücklichen Abschluss der Angelegenheiten zwischen beiden Reichen her-beizuführen. Trubezkoi hatte den Auftrag zu folgenden Vorschlägenan Wygowski: die Heere von beiden Seiten ohne Blutvergiessen voneinander zu halten, die Tataren zu entfernen, die Hetmanswürde, dieKiewer Wojewodschaft und eine andere, nach seinem Belieben, anzu-nehmen, den Obersten und Offizieren Freiheiten und Vorrechte zu ver-sprechen. Indessen kam es nicht bis zu Unterhandlungen: Trubezkoirückte am 28. Februar aus Ssjäwsk ab, traf am 10. März in Putiwl ein,brach am 28. März aus Putiwl zu dem Flecken Konstantinow an derSula auf, zog Romodanowski und Kurakin aus Lochwitza undBespaly ausRomnjä an sich, marschirte am 10. April aus Konstantinownach Konotop, und erreichte endlich am 19. April diese Stadt, in welchesich Guljanizki eingeschlossen hatte. Nachdem er solchergestaltdrei ganze Monate zu dem Marsch von Moskau bis Konotop gebrauchthatte, belagerte er die folgenden zwei Monate diese Stadt erfolglos biszu dem Momente, wo, 27. Juni, Wygowski mit dem Krym-Khan er-schien. Wygowski hatte, unter Zurücklassung der Hälfte seiner Ka-sakenund aller Tataren, in einer versteckten Stelle jenseits des FlüsschensSosnowka, sich selbst mit der andern Hälfte der Kasaken Nachts anKonotop herangeschlichen, überfiel bei Tagesgrauen die Belagerer,machte viele derselben nieder, trieb die Pferde fort und begann sich hin-ter die Sosnowka zurückzuziehen. Die russischen Wojewoden, in demGlauben, dass er nur diese Kasaken bei sich habe, entsendeten die Für-sten Posharski und Lwow mit der Reiterei zu seiner Verfolgung.Am 28. Juni,holte Posharski die Kasaken ein, warf sie und verfolgteweiter, immer mehr und mehr sich von Konotop entfernend. Vergebenssagten die »Ja'syki« (befragten Gefangenen) aus, dass weiter vorwärtsviele Truppen wären, eine übrige Hälfte der Kasaken und der Khanselbst mit den Tataren: Posharki hörte nicht darauf, und Alles gingvorwärts. Kaum aber hatte er, Wygowski folgend, die andere Seiteder sumpfigen.Sosnowka erreicht, als plötzlich aus dem Hinterhalte alleKasaken und Tataren über ihn herfielen und seine und Lwow's Caval-lerie aufrieben. Beide Führer geriethen in Gefangenschaft, Po-sharski wurde auf Befehl des Khans der Kopf abgeschlagen, Lwowblieb zwar am Leben, erkrankte aber bald und starb. Die beste Caval-lerie Trubezkoi's kam um, 5000 Mann etwa wurden gefangen ge-nommen und sämmtlich ohne Gnade niedergehauen.