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Abth. 3, Die Neuzeit Supplement 1 (1882) Russische Kriege im 17. Jahrhundert
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6. Kussische Kriege unter Alexei Michailowitsch (16581666). 227

in die Flucht. Dolgorukow aber führte zwei Strelitzenreginienter inden Kampf und nun wurden Gonsj ewski's Truppen ihrerseits gewor-fen, wobei Gonsjewski selbst in Gefangenschaft gerieth. Sapiehaaber blieb unverletzt, dank der Mjästnitschestwo der russischen Wojewo-den (ungeachtet des Gebotes des Zaren, »ohne Rangstreit« zu sein):Dolgorukow hatte nämlich die russischen Bevollmächtigten, welchedie Unterhandlungen führten, gebeten, ihm die bei ihnen befindlichenTruppen zu senden, aber die Hunderter-Häuptlinge Fürst Barjatinskiund zwei Pleschtschejew's weigerten sich, Dolgorukow zu Hülfezu ziehen, weil das für sie sich nicht gebühre ?« Dafür wurden sie »mitihrem Kopfe« (d. h. mit Leib und Leben) Dolgorukow überliefert.Sapieha aber schlug, nach Dolgorukow's Siege über Gons-jewski, 2090 russische Musketiere und nahm ihnen sechs Geschützeund viele Wagen mit Kriegsvorräthen ab. Hiernach zog Dolgorukowmit allen seinen Streitkräften nach Minsk zurück, brachte aber dadurch,dass er von Wilna ohne Befehl des Zaren abgerückt war und nicht ein-mal über seinen Sieg Meldung erstattet hatte, den Zaren gegen sich auf.Der Zar schrieb ihm, dass, wenn er sich entschlossen hätte, aus Wilna ab-zuziehen , er doch wenigstens das Soldatenfussvolk und ein RegimentReiter hätte darin lassen sollen, denn nun könnten die Polen Wilna,Kowno, Grodno und die andern Städte einnehmen.

Während die Misserfolge Gonsj ewski's und die gleichzeitigenSiege des Fürsten Chowanski über diepolnisch-lithauischen Truppen beiMjadsjoli den ursprünglichen Dünkel und Eifer der Polen sehr abgekühlthatten, Hessen der Zar und seine Regierung sich durch Dolgorukow'sund C ho w an ski's Siege nicht zum Hochmuth verleiten. Siebegriffendie Gefahr, welche zu dieser Zeit gerade aus dem Verrath des klein-russischen Hetmans Wygowski (s. unten) drohte, um so mehr, als derSchatz durch den vorhergegangenen Krieg erschöpft war und die russi-schen Truppen auf Kosten des von ihnen besetzten Landes lebten (d. h.von Erpressung und Plünderung). Deshalb wünschte der Zar den Kriegin Lithauen und Weissrussland zu beendigen, um alle seine Kräftenach Kleinrussland wenden zu können. Auch Polen wünschte dieKriegsoperationen in Lithauen zu sistiren, aber nur um Zeit zu gewinnenund abwarten zu können, wie sich die Dinge in Kleinrussland gestalte-ten. In Folge dessen wurden im Januar 1659 zwischen dem Zaren unddem Könige Unterhandlungen angeknüpft, welche indessen zu keinemEinverständniss führten, weil die gewöhnlichen Differenzen bei den For-derungen beider Theile hervortraten.

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