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Abth. 3, Die Neuzeit Supplement 1 (1882) Russische Kriege im 17. Jahrhundert
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226 I- Kriege von 16131689.

die Kasaken mit diesen Hoffnungen zu täuschen. Bei dem Streben nachdiesem Ziele suchte Jeder von ihnen auf dem linken Dnjeprufer zuerstdas Vertrauen und das Wohlwollen des russischen Zaren und Hofes zuverdienen und dadurch die Einwohner von Kleinrussland auf seine Seitezu bringen. Zu gleicher Zeit erschien aber auf dem rechten Dnjepruferein ebensolcher Ehrgeiziger, welcher in gleicher Weise in Bezug auf Po-len verfuhr. Zwischen dem Einen und dem Andern entstand ein blutigerStreit, in welchem durch Uebergehen bald auf russische, bald auf polni-sche Seite sie diese beiden Reiche in den um Kleinrussland zwischenihnen geführten Kampf hineinzogen.

Da das Hauptobjekt dieses Krieges Kleinrussland war, so sollendie Kriegsoperationen der kleinrussischen Kasaken während desselbenim Zusammenhange mit den übrigen ihre Darstellung finden. ImUebrigengenügt es, den allgemeinen Gang und Charakter dieses Krieges zu ver-zeichnen, ohne in besondere Details einzugehen.

Nachdem der polnische Reichstag im Juni 1658 die Bestätigung desVertrages von Wilna verweigert. der Zar Alexei Michailowitschaber am 30. August befohlen hatte, die Kriegsoperationen in Lithauenwieder zu beginnen, näherten sich hier, trotzdem während des ganzenSommers und Septembers die Sitzungen und endlosen Streitigkeiten zwi-schen den russischen und polnischen Bevollmächtigten weiter gingen, diebeiden Hetmans Paul Sapieha und Gonsjewski mit polnischenund lithauischen Truppen allmälig der Stadt Wilna, unterwegs undnach den Seiten hin überall feindlich gegen die ihnen begegnenden rus-sischen Truppen auftretend. Seit dem 1. Oktober belagerten Tscherkassen(kleinrussische Kasaken in polnischer Botmässigkeit) Minsk und besetztenmit polnischen und lithauischen Truppen gemeinsam alle Orte zwischenWilna, Minsk und Borissow, welche von russischen Truppen besetzt waren.Indessen rückte der Fürst Juri Alexjäj ewitsch Dolgorukow, nach-dem er auf Veranlassung des Zaren alle Truppen um Wilna zusammen-gezogen hatte, am 30. August mit ihnen nach Shmudj oder Samogitien,bemächtigte sich desselben und besetzte selbst die Stadt Keidana, denAufenthaltsort Radziwil's. Gonsjewski wendete sich gegen ihnund schlug ihn, wobei er demselben 1500 Mann Verlust beibrachteund sieben Fahnen abnahm. Demnächst aber wurden auf Befehl desZaren die Feindseligkeiten eingestellt bis zur Beendigung der Verhand-lungen, womit Gonsjewski und Sapieha einverstanden waren.Drei Wochen lang standen so beide Heere friedlich in den Lagern ein-ander gegenüber, immer auf den Angriff des Gegners sinnend. Am22. September griff endlich bei Tagesanbruch Dolgorukow plötzlich dasLager Gonsjewski's an. Zunächst brachte des Letzteren Cavalleriedie russischen Vortruppen in Unordnung und Verwirrung und schlug sie