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Abth. 3, Die Neuzeit Supplement 1 (1882) Russische Kriege im 17. Jahrhundert
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150 I. Kriege von 1613-1689.

r a s s hielt sich in der Defensive und beschränkte sich auf die Abwehrder Polen, hatte aber im Stillen schon seinen Angriffsplan gemacht.

Es kam der polnische Feiertag »Panskie Cialo« (Frohnleichnam)heran, am zweiten Donnerstag nach Pfingsten: im polnischen Lager wur-den tragbare Altäre errichtet, mit Blumen geschmückt, Freudenrufe,von Geschützdechargen begleitet, wurden laut; sorglos zechten die Po-len , ohne irgendwelche Vorsichtsmaassregeln zu treffen. Die Kasakenihrerseits sassen den ganzen Tag ruhig in ihrem Tabor fest; aber in derDämmerung kroch ein Theil derselben zu Einem still und heimlich auseiner Senkung unweit des polnischen Lagers hervor und erwartete dasverabredete Zeichen. In der Nacht nahmen sie ihre Stellungen ein, undmit Tagesanbruch fielen sie von zwei Seiten über das polnische Lager unddie darin schlafenden Polen her, welche sich von dem gestrigen Gelagenoch gar nicht zu ernüchtern vermochten. Die eine Hälfte von ihnenwurde durchbohrt und zertreten, die andere im Flusse ertränkt oder zer-streut (die Schljachta allein kam bis auf 300 Mann um), die Kasaken be-mächtigten sich der ganzen Artillerie und des gesammten Trosses, undnun ihrerseits diese blutige Rache an ihren schlimmsten Feinden feiernd,nannten sie diesen Sieg über dieselben den »von Perejaslawl« oder nachdes Hetman's Namen »die Tarass'sche Nacht«. Es war wie ein plötz-licher Donnerschlag gewesen, welcher das ganze polnische Heer zu Staubzerschmettert und in alle Winde zerstreut hatte! *)

Tarass theilte sofort sein Heer in mehrere Corps und sendete diesenach allen Seiten aus, um die ukrainischen Ortschaften von Polen undJuden zu säubern, und es begann ein erbarmungsloses Niedermetzeln der-selben. Zu Tausenden kamen die Einen wie die Andern durch die erbit-terten Kasaken um, die polnische Regierung aber wagte Nichts gegendieselben zu unternehmen . denn von zwei Seiten drohte Polen zu dieserZeit Gefahr: der Schwedenkönig Gustav Adolph hatte an Sigis-mund den Krieg erklärt und der Zar schickte sich zur Wegnahme vonSmolensk an.

Uebrigens sind weitere Kriegsereignisse nach der Tarass'schen Nachtnicht bekannt, ebenso wie das weitere Schicksal Tarass'selber. ImJahre 1630 belagerte Konjezpolski drei Wochen lang Perejaslawl,in der Absicht, die Kasaken zu zähmen und die Seeangriffe derSaporogerauf die türkischen Küsten zu hindern. Die Kasaken aber bemächtigtensich nach vielen Scharmützeln mit ihm vor Perejaslawl endlich seines

*) Die polnischen Historiker schweigen wie gewöhnlich über die Details die-ser wie überhaupt über alle ihre Niederlagen; man nimmt übrigens an, dass alleinan Starschinen oder polnischen Offizieren in dieser Nacht mehr umkamen, als in demganzen Kriege mit Preussen.