2. Polen und Lithauen, Kasaken, Tataren, Türken. 105
verschiedener verabredeter Signale, z. B. des »majatschenje«, d. h. Sei-ten von Kreisvolten. — bei Nacht Feueranschlagen mittelst der Pfannedes Gewehres, Schwingen angezündeter Lappen oder Holzscheite u. s.w.Vom Feinde entfernt marschirten sie meist auf den Wasserscheiden zwi-schen den Einsenkungen, in der Nähe des Feindes in diesen Vertiefungen,um ihre Bewegungen zu verbergen. Jenseits der Grenze stiessen dieHaufen zur bestimmten Zeit und an dem verabredeten Orte zusammenund begaben sich ans Plündern. Im Fall der Verfolgung theilten siesich in Haufen und weitere Unterabtheilungen, immer wieder zu dreiTheilen, welche nach verschiedenen Seiten auseinander jagten und sichdann auf 40—50 Kilometer von dem letzten Sammelpunkte wieder inirgend einem Thale zusammenfanden. Bei einem Angriff des Feindeszerstreuten sich die Tataren, wenn sie schwächer waren, nach allen Sei-ten, wobei sie in vollem Jagen über die linke Schulter weg sichereSchüsse entsendeten, dann sammelten sie sich auf mehrere Werst Ent-fernung und griffen den Feind in geschlossener Ordnung an, indem siehierbei Sonne und Wind im Rücken zu haben suchten; war das Schar-mützel erfolglos, so zerstreuten sie sich aufs Neue eiligst, schlössen sichwieder zusammen und wiederholten dasselbe Verfahren. Kurzum — sieführten im Winter wie im Sommer ihre Ueberfälle durchaus nicht unge-ordnet , sondern im Gegentheil in sehr systematischer und, was dieJahreszeit, Beschaffenheit des Terrains und Verhalten und Kampfart desFeindes anbelangt, sehr zweckgemässer Weise aus.
>§. 13.Türken.
Die Türkei befand sieh, gleich wie Polen, im 17. Jahrhundert ineinem solchen Zustande von Verfall und Auflösung, dass auch die Heeres-organisation und das Heer selbst dadurch in gleiche Verwirrung gerathenwaren. An Ausdehnung kleiner geworden, verwüstet, geschwächt undvernichtet durch die Schwachheit. Unfähigkeit oder Grausamkeit undLasterhaftigkeit ihrer Sultane, innere Empörung und Bürgerkriege, Auf-stände in den Provinzen, unaufhörliche Meutereien bei den Truppen, be-sonders bei den zügellosen und rebellischen Janitscharen, welche sichdas Recht der Verfügung über den Thron und das Schicksal des Reichesanmaassten, befand die Türkei sich in einer verzweifelten Lage und standdicht am Rande des Untergangs, nur zeitweilig noch gehalten durch Mu-rad IV, Muh am med IV, und besonders durch die Grossveziere ausdem Geschleehte der Kj öprili. Aber auch diese vermochten nicht diefrühere kriegerische Macht des Reiches und die gute Organisation seines