90 I. Kriege von 1613—1689.
reicher Beute zurück, nicht selten freilich erlitten sie auch furchtbareNiederlagen.
Sie waren sehr fromm, den besten Theil der Beute vertheilten -siezum Nutzen der Klöster und zum Unterhalt der alten und verkrüppeltenKasaken in denselben. Unter einander verkehrten sie sehr freundlichund verabscheuten den Diebstahl; Kaub aber beim Feinde und auch beiNichtkasaken hielten sie für etwas ganz Gewöhnliches. Die Türkenhassten sie. Tapferkeit galt als die oberste Tugend, Verrath, Feigheit,Diebstahl und Mord untereinander bestraften sie mit dem Tode, meisten-theils mit »ins Wasser Setzen« d. h. Ertränken. Sie führten kein voll-kommen eheloses Leben, wie die Saporoger, sondern ein Familienleben,hatten auch viele private verwandtschaftliche Verbindungen mit den Be-wohnern der angrenzenden russischen Ukraine. Da sie aber unaufhörlichKrieg führten, mussten sie die entstehenden Verluste hauptsächlich durchneue Ankömmlinge decken.
So waren die allgemeine und militärische innere Organisation undVerwaltung, die Sitten, Gebräuche und das Verhalten der Kasaken vonAlters her bis zu Alexei Michailowitsch beschaffen, von wo ansie, in den hauptsächlichsten Grundzügen dieselben bleibend, doch all-mälig sich umzuwandeln begannen, indem sie eine regelmässigere Formunter dem bemerkbareren Einflüsse der Moskauer Begierung annahmen.
Die Wolga- und Jaik- oder Uralischen Kasaken zweig-ten in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts sich von den donischen ab, alsein Theil dieser Letzteren unter dem Ataman Netschajem zur Wolgain die östlichen Küstenstriche des Kaspi-Sees zog, die dort nomadisi-renden Nogaien vertrieb, und dann, sich nach Nordosten wendend, dieMündung des Jaik- (heute Ural-) Flusses erreichte, an dessen waldigenUfern sie nun den Winter zubrachten, während sie im Frühjahr »auf Er-werb ausgingen«, d. h. an der Wolga und dem kaspischen Meere Baub-züge unternahmen. Inzwischen gelangten diese Kasaken, sich ganzaufwärts am Jaik ausdehnend, an die Mündung der Bubeshna und grün-deten, zurückkehrend , an der natürlichen Orjäschnoi-Grenze (40 Werstoder Kilometer von der heutigen uralischen Grenze) ihre erste sesshafteNiederlassung. Bis zum 17. Jahrhundert bilden ihre Thaten nichts be-sonders Bemerkenswerthes. Im Jahre 1602 plünderten ihre Banden dieStadt Urgentsch in dem damaligen Chowaresmischen (heute Chiwinski-schen) Khanate, wurden aber durch dessen Khan Arab-Muhammedfast gänzlich aufgerieben. Der dadurch herbeigeführte Verlust und dieunruhige Nachbarschaft der Tatarenstämme gaben den Jaikkasaken dieUeberzeugung, dass sie ohne kräftigen Schutz nicht bestehen könn-ten, und so begaben sie sich um's Jahr 1 623 unter die Botmässigkeit desZaren Michael Feodorowitsch, welcher ihnen erlaubte, sich durch