2. Polen und Lithauen, Kasaken, Tataren Türken. 87
zu gegenseitigen Angriffen, welche seitens der Kasaken meist gegenAsow, Perekop und die Kryrn gerichtet waren.
Im Mai 1684 ging von dem Sarapoger Koschewoi-Ataman^) Ssagai-d a t s c h n i den Kasaken und ebenso den Kalmliken die Aufforderung zu,in den Dienst des Königs von Polen gegen die Tataren und Türken zu treten.Die donischen Kasaken waren aber nicht damit einverstanden und sen-deten Ssagaidatschni's Schreiben nach Moskau. Nach einiger Zeiterhielten sie von dem Saporoger Obersten (Polkownik) Paljäi einSchreiben mit dem Ersuchen, an Ochotniks aus den donischen Kasakendie Erlaubniss zum Eintritt in den Dienst des Polenkönigs gegen guteBesoldung zu ertheilen. Auch das wollten die Kasaken nicht, statt des-sen aber zogen sie mit einer Schiffs- und einer berittenen Abtheilunggegen die Asowzer, nahmen denselben Schiffe fort und verheerten ihreUlussy (Zeltdörfer). Dafür wurde des Zaren Unzufriedenheit über sieausgesprochen, denn Moskau befand sich damals im Frieden mit derTürkei und der Krym (1685). Der Ataman Frol Minajew entschul-digte sich damit, dass im Heere sich viel »armes und hergelaufenes Volk«befände, der Sold für Viele derselben nicht reiche und man sie nicht zurRuhe bringen könne. Aber im Juli 1686 erhielten die donischen Kasa-ken eine Urkunde des Zaren über den Abschluss des Friedens und Bünd-nisses mit Polen und die Erlaubniss, die Türken und Krymzer zu be-kriegen. Die Kasaken säumten nicht, sich das zu Nutze zu machen,führten kleine Einfälle in die Krym aus, und nahmen 1687 an dem Feld-zuge des Fürsten Wassilij Wassiljewitsch Galitzin (BasiliusBasiljewitsch) Theil.
Im Frühjahr 1687 ging ihr Reitercorps (Ratj) nach Klein-Russlandab, um zu Galitzin's Heer zu stossen, unterwegs schlug es am FlusseOwetschj ein starkes tatarisches Corps. Das Schiffsgeschwader (Ssu-dowaja ratj) führte zur See mehrere erfolgreiche Angriffe auf die Küstender Krym aus, bei der Rückkehr aber wurde es in dem Kasatschi Jerk(Kasakenbach) von überlegener tatarischer Macht bei Nacht überfallen,die Hälfte der Kasaken fiel im Kampfe, die Andern retteten sich nur mitMühe und Noth.
Das waren die Vorfälle bei den donischen Kasaken seit dem Regie-rungsantritt des Zaren MiehaelFeodorowitsch biszu der Alleinherr-schaft Peter 's I. Aus dem Gesagten geht hervor, dass seit 1623 indem Kasakenheere allmälig Ordnung sich einzubürgern begann, unddass das Heerescommando, dem Willen der Moskauer Regierung sich
*) Koschewoi-Ataman hiess der Ataman eines Kosch oder Hauptquartiers,dem die Atamans der verschiedenen Kurene (Wohnorte) und die Befehlshaber derPalanken (kleinen Forts) untergeordnet waren. Anm. d. Ueb.