Druckschrift 
Abth. 3, Die Neuzeit Supplement 1 (1882) Russische Kriege im 17. Jahrhundert
Entstehung
Seite
82
Einzelbild herunterladen
 

82 I. Kriege von 16131689.

mit 100 Stück Belagerungsgeschütz, auf 100 grossen Galeeren und 80Schilfen zu Lande und zu Wasser die Stadt Asow ein, in welcher sichnur 6000 Kasaken unter dem Befehl von Ossip Petrow befanden.3 Monate lang (24. Juni 26. September) hielt diese Handvoll Kasakenbei dieser berühmten Belagerung in Asow einem 40mal stärkeren FeindeStand, und behauptete sich mit ungewöhnlicher Tapferkeit und Ausdauerinmitten aller Schrecken der Einschliessung, Belagerung und des Bom-bardements. Endlich entschlossen sich die bereits auf 3000 Mann zu-sammengeschmolzenen , vollständig erschöpften und entkräfteten Kasa-ken zu einem Ausfall aus Asow, um sich durchzuschlagen oder käm-pfend zu fallen. Aber die Tataren und nach ihnen die Türken, welcheam Erfolge verzweifelten und selber sehr gelitten hatten, hoben schonvorher die Belagerung auf und zogen ab. Die Kasaken stellten so gutwie möglich die zerstörten Festungswerke von Asow wieder her, schlu-gen aber, da sie die Unmöglichkeit einsahen, eine zweite Belagerungdarin auszuhalten, dem Zaren Michael Feodorowitsch vor, dieStadt in Besitz zu nehmen. Der Zar belohnte die Kasaken in freigebig-ster Weise, da er aber den Frieden mit der Türkei nicht zu brechenwünschte, befahl er ihnen, Asow zu räumen, was im Mai 1643 geschah;die Kasaken führten jedoch sämmliche Geschütze und Vorräthe aus Asowfort und schleiften die noch vorhandenen Festungswerke.

Die Türken nahmen dafür grausame Bache, nahmen und branntendie Städte Manytsch, Jar und Tscherkask nieder, mordeten oder schlepp-ten die Einwohner in Gefangenschaft; die übrigen Atamans und Ka-saken , welche über ihre Kraft hinaus schon mit ihnen um ihre Existenzgekämpft hatten, siedelten zum oberen Rasdory*) über, drängtenaber bald die Türken über Tscherkask hinaus und erwehrten sich ihrerdort zu jeder Zeit des Jahres, hatten jedoch viel von ihnen zu leiden.

In Folge dessen befahl im Februar 1646 Zar Alexei Michailo-witsch den Wojewoden der russischen Ukraine, freiwillige Mannschaf-ten aus Schatzek, Tambow und vom Fl. Woronesh zur Ansiedelung amDon zu berufen. Im Juni desselben Jahres zogen denn gegen 3000 sol-cher Bewaffneten aus Woronesch zum Don, und im August nahmen die-selben schon Theil an einem Zuge der Kasaken gegen die Krymtataren.Seitdem änderte sich das Verhalten der moskauischen Regierung gegendie donischen Kasaken und Krymtataren bedeutend. Die Ersteren wur-den immer seltener ermahnt, mit den Tataren und Türken im Frieden zuleben, dagegen ihnen öfter aufgetragen, Recognoscirungen gegen Tatarenund Nogaien zu unternehmen. So wehrten im Sommer 1646 die Kasa-

*) Werchnje Rasdory ist der Name einer der Haupt-Stanitzen der donisehenKasaken, Hauptort ihrer Regierung. Anm. d. Ueb.