1. Das russische Ecich Im 17. Jahrb. (1013-1689). 27
allerdings nur als vereinzelte Versuche von Waffentechnikern, und nichtals in allgemeinen Gebrauch tibergegangen.
Die allgemeine Bezeichnung für unsere Handfeuerwaffen wie fürdie Geschütze war von Alters her Pischtschali (Arkebuse, Haken-büchse). Aus dem 16. Jahrhundert stammen aber: Pistole und Ka-rabiner, und im 17., mit der Einführung von Truppen fremder Orga-nisation bei uns, kommen auch Musketen vor, von ziemlich grossemKaliber, aus denen man die Ladung schoss, indem die Mündung des Ge-wehres auf einem gabelförmigen Untergestell ruhte.
Ueber die Kriegs-Anwendung der Handfeuerwaffen liegen keine zu-verlässigen Nachrichten vor. Aus der bedeutenden Entwicklung aber,welche die Vertheidigungs- und die blanken Waffen im 17. Jahrhundert,wie auch schon vorher, bei uns nahmen, lässt sich mit Sicherheitschlicssen, dass die der Handfeuerwaffen hinter jener zurückblieb undnicht in erster Linie stand. Es ist gleichfalls unbekannt, ob die Truppenim Frieden im Schiessen nach einem Ziel geübt wurden. Es liegen nureinige Anzeichen vor, dass im 17. Jahrhundert bisweilen in Moskau Ver-suche fremder Offiziere in der Kunst des Scheibenschiessens mit Musketenstattfanden. Aber diese Versuche waren nicht immer genügend, ebensowenig wie die Resultate der Wirkung der Gewehre im Kampfe. NachPossoschkow's*) Angabe standen sie unter der Mittelmässigkeit,während Petrej hingegen behauptet, dass die Russen schon zu Anfangdes 17. Jahrhunderts solche Fertigkeit und Geschicklichkeit im Schiessenaus Handfeuerwaffen erlangt hätten, dass sie den fremden Söldnerndarin nicht nachstanden, — was nicht wahrscheinlich ist und, wennrichtig, doch wenig besagen will, weil auch die fremden Sold-Truppen,wie es scheint, sich darin keiner besonderen Kunstfertigkeit rühmenkonnten.
Unter den uns erhaltenen Exemplaren altrussischer Handfeuer-waffen nehmen die Gewehrläufe aus Schmiedeeisen den höch-sten Standpunkt ein, sie vervollkommnen sich mehr und mehr, werdenweniger lang und schwer, zum Schiessen handlicher, sind glatt odergezogen und erhalten ein stets vervollkommnetes Schloss mit Feuer-stein und Pfanne. Alle diese Verbesserungen gehen im 17. Jahrhunderterst langsam, dann immer schneller vor sich, und am Ende des Jahr-hunderts haben sich fast dieselben Formen herausgebildet, wie sie dannin's 18. Jahrhundert übergehen.
Dasselbe gilt auch von den übrigen Arten der Handfeuerwaffen,Karabiner, Pistolen, wie auch von den eisernen Aexten und
*) In seinem Werke »Über Kriegsführung«.