1. Das russische Keich im 17. Jahrb. (1613-1689). 23
dagegen wenig Einheit und Uebereinstimmung, welche in einem wohl-organisirten regulären Heere durchaus erforderlich sind. Deshalb kanndie Mehrheit der russischen Cavallerie, — mit Ausnahme eines kleinenTheiles regulärer, fremder Formation — (Reiterund Dragoner) —,nur als irreguläre Reiterei bezeichnet werden, welche der gleichzei-tigen westeuropäischen nachstand, wenngleich sie sehr zahlreich war.
§.3.Fussvolk.
Dasselbe muss auch vom Fussvolk gesagt werden, das aus Stre-litzen, Soldaten: städtischen Fuss-Kasaken, Fuss-Da-totschnye Ljudi und freiwillig Eingetretenen zu Fuss (wol-nye ochotschie) bestand.
Die Strelitzen, von Johann (Iwan) IV formirt, bildeten zurZeit ihres Entstehens die erste stehende (nach damaligen — nicht nachheutigen Begriffen) russische Fusstruppe, obgleich ein beträchtlicherTheil derselben noch beritten war. Sie waren in Regimenter getheilt,welche sich durch die Farbe der Kleidung und der Fussbekleidung unter-schieden. Ihre Bekleidung bestand aus einem Kaftan (Rock) mit zurück-geschlagenem Kragen, über der Brust mit goldenen oder anderen Schnü-ren zugemacht. Auf dem Haupte trugen sie anfänglich eiserne, späterPelz-Schapka's (Blechhauben, Pelzmützen), an den Füssen Stiefeln vongleicher Farbe wie die Kleidung. Ihre Bewaffnung bestand ursprünglich auseiner Arkebuse, danach aus Muskete, Hellebarde und Säbel, und bei denersten, deshalb Pikeniere genannten Sotnien der Regimenter aus lan-gen Piken und Schwertern. Die Strelitzen waren für ihre Person undihre Familie (folglich bildeten sie eine besondere erbliche Kriegerkaste)zu beständigem Dienste bis zu ihrem Tode oder zu ihrer Verabschie-dung wegen Kränklichkeit oder Alters verpflichtet (in diesem Sinne kannman sie also ein stehendes Heer nennen). Zur Friedenszeit bildeten siedie Garnisonen von Moskau und andern Städten, besonders an den Gren-zen und thaten verschiedene polizeiliche Dienste: Boten (zum Dienstausgesandte Leute, Wyssylscktschik), Polizei-Offizianten, Zollbeamte,und Wachen u. s. w. Die moskauer Strelitzen bewachten den Zarenhof undden Kreml, thaten Pallastdienst, inneren wie äusseren, nahmen an denHoffeierlichkeiten Theil und empfingen Geld und Nahrung aus dem Hof-hält des Zaren. Zur Kriegszeit wurden die Strelitzen dem Heere zuge-theilt, zur Unterstützung der Cavallerie und vorzugsweise zur Belagerungund Vertheidigung der Städte.
Besonders interessant sind die den Strelitzen verliehenen Rechte und