20 I. Kriege von 1613—1689.
kcn Waffen sind theils altrussisch, grösstenteils aber rnongolo-tatarisch.Im 17. Jahrhundert macht sich in dieser Bewaffnung schon der westeuro-päische Charakter bemerkbar: geschlossene dichte Panzer, Harnische,blanke Rüstungen, übrigens die Würde der fürstlichen, vornehmen oderreichen Personen und der fremden Söldner bezeichnend (Panzer, Helle-barden, Partisanen, Bandoulieres u. s. w.), doch sind auch die alten rus-sischen Waffen, Berdysche, Rogatfhe (Spiesse), Sownja (sensenartig),Kontschar (Handschar) u. s. w. im Gebrauch.
Da jeder im Heere Dienende seinen Mitteln entsprechend seine eige-nen Waffen hielt, so waren diese sehr verschieden nach Güte, Form undBeschaffenheit.
Die russische Reiterei, welche nach abendländischem Muster formirtwar, ursprünglich aus fremden Söldnern bestehend, zerfiel in 2 Arten :Reiter und Dragoner.
Die Reiter (Reitary, aus dem deutschen Wort Reiter), zuAnfang nur aus Fremden zusammengesetzt, erhielten Sold und Unter-halt, während der Campagne waren für ihren Unterhalt besondere Amts-bezirke bestimmt, von welchen sieBrod für sich und Futter für ihre Pferdeempfingen. Später begann man einigen Ausländern Lehn- und Erbgutzu geben, namentlich solchen, welche lange in Russland geblieben waren,die Andern wurden in die Städte geschickt und dort unterhalten, woherdann die Lehns- und die Kost-Reiter (Pomjästnye und Kor-mowye) entstanden. In den Reiter-Regimentern gab es schon seitMichael Feodorowitsch viele, auch russische Bojarenkinder, Neu-getaufte, Kasaken und andere Freiwillige (Wolnye), welche von Steu-ern und jeglichem Dienste befreit waren. Sie wurden zu den Reiternmit allen Rechten des Reiter - Corps gerechnet und waren verpflichtet,die deutsche Organisation bei den fremden Obersten und Rottmeisterneinzuüben. Die Reiter zählten überhaupt in gleichem Range mit denstädtischen Adligen, indem sie wenigstens auch Lehen besassen. DieBewaffnung der Reiter bestand in Helm, Panzer, Degen, Muskete undspäter Karabiner und Pistole (s. u.).
Die Dragoner wurden ursprünglich nur aus Ausländern geworben,dann aber, schon zur Zeit des Michael Feodorowitsch, auch ausrus-sischcnOchotschieLjudi (Freiwillige), Bojarenkindern,Neugetauften, Ta-taren, Kindern derStrelitzen, der Kasaken und der andern Freien, welcheweder im Dienst standen, noch Leibeigne, noch steuerpflichtig waren undweder Lehn- noch Erbgut besassen. Die Dragoner führten Helm, PanzerundCuirass, Muskete, Degen, Pike, Axt am Sattel, oder Berdysche (Speer),und thaten Dienste zu Pferde und zuFuss. Sie erhielten Sold für Nahrungund Kleidung; Pferde, Waffen undgesammte Ausrüstung stellte der Staat.Nach Beendigung des Feldzuges wurden sie nach Hause entlassen und