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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 3 (1875) Kriege der II. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts in West-Europa : 1740 - 1792 ; die Kriege Friedrich's des Grossen
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I. Prinz Heinrich von Preussen. 331

er sehr geschickt Sachsen vom Feinde und vertheidigte es im Winter. Im Jahre1758 die Vertheidigung Sachsens fortsetzend, vereinigte er sich ungewöhnlichschnell mit dem bei Hochkirch geschlagenen Friedrich, deckte dessen Kückzugnach Schlesien und erwarb sich dadurch die Anerkennung Friedrich's. DerFeldzug im Jahre 1759 wird als der glänzendste und bedeutendste für denPrinzen Heinrich erachtet. Seine geschickten und erfolgreichen Operationengegen die deutsche Keichsarmee und die Vernichtung der feindlichen Magazinein Böhmen waren eben so viel werth wie Siege in Schlachten und brachtenFriedrich und der preussischen Armee grossen Nutzen. Während der Opera-tionen Friedrich's an der Oder gegen die russische Armee, deckte Prinz Hein-rich durch seine bogenförmige Aufstellung bei Schmottseifen sehr geschickt undmit Erfolg Schlesien. Und nach der Niederlage Friedrich's bei Kunnersdorfging, um ihn zu retten, Prinz Heinrich zu den kühnsten und entschlossenstenOffensivoperationen über, marschirte schnell zur Elbe, siegte mehrere Male überbedeutend stärkere Gegner und Hess durch seine ungewöhnliche Standhaftigkeitim Lager bei Torgau, Friedrich Zeit sich zu erholen, seine Kräfte zu sammeln,sich mit ihm zu vereinigen und sich aus seiner verzweifelten Lage zu ziehen.Im Jahre 1760, bald vorsichtig bald entschlossen operirend, deckte er dieNeumark, verhinderte dann, indem er in forcirten Märschen nach Breslauvorrückte, die Vereinigung Soltikow's mit Laudon und vereinigte sich inder Nähe von Lissa mit der Armee Friedrich's. Bedauerlicher Weise ent-standen zwischen Friedrich und ihm Misshelligkeiten, die ihn nöthigten, diemilitärische Laufbahn zu verlassen. Allein schon im Frühjahre 1761 wurdeihm der schwierige Auftrag zu Theil, nicht nur Sachsen gegen Daun undSerbelloni, sondern auch Magdeburg und Berlin gegen die Franzosen undSchweden, mit 30,000 Mann sehr mittelmässiger Truppen zu decken. SeineOffensiv- und Defensiv-Operationen bei dieser Gelegenheit und zu diesemZwecke können als mustergiltig erachtet werden und haben sich das würdigeLob Napoleon's I. und aller Kenner des Kriegshandwerks erworben. Endlichim Jahre 1762 schlug er bei Freiberg eine stärkere, wenn auch sehr schlechteArmee, die Reichsarmee, und trug dadurch zum schnellern Abschluss des Hu-bertusburger Friedens bei.

Nicht weniger thätig war sein Antheil am bairischen Erbfolgekriege, inwelchem er durch seinen schnellen Marsch von Berlin nach Dresden, um Laudonzuvorzukommen, und durch sein geschicktes Manövriren, um die österreichischeArmee zu zwingen, ihre Position bei Königgrätz aufzugeben, von Neuem seineausgezeichnete Kriegsbegabung zeigte.

Trotz alledem wurde Prinz Heinrich weder von Friedrich II., noch vonseinen Nachfolgern richtig und würdig beurtheilt. Die Ursachen davon warensowohl die Eigenheiten im Charakter und in der Lebensweise des PrinzenHeinrich, als die Feindseligkeit, welche Friedrich H. gegen ihn hegte. Ererlitt viele Ungerechtigkeiten und lebte fast immer fern vom Hofe, auf seinem