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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 3 (1875) Kriege der II. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts in West-Europa : 1740 - 1792 ; die Kriege Friedrich's des Grossen
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10. Die Kriegswissenschaft, ihre Geschichte u. Literatur. Lloyd's System. 317

bei der jetzigen Einrichtung der Armeen eine Niederlage »sehr schädlicheFolgen nicht nach sich zieht. In den beiden anderen Fällen wäre es unsnicht möglich, ohne bedeutende Nachtheile einen Ueberfall des Feindesin unserer Position abzuwarten. Den Feind zurückschlagen, heisst nochnicht, ihn besiegen : der Sieg ist in der Offensivoperation enthalten undnicht in der Gegenwehr.

Wenn der Feind gegen uns in der Fronte heranrückt, indem er in-zwischen bemüht ist, uns in der Flanke zu umgehen, so müssen wir zu-erst den Umgehungstheil angreifen ; denn wir werden immer noch Zeithaben, mit Erfolg den gegen uns in der Fronte befindlichen Feind an-zugreifen. Wenn wir hingegen den Letzteren 12 Tagemärsche zu-rückdrängen und dem Umgehungstruppentheile gestatten würden, in-zwischen seinen Marsch fortzusetzen, so wäre unser Erfolg nicht nurunnütz, sondern auch für uns verderblich. Der Umgehungstruppenthcilwird in unserem Rücken eine starke Position einnehmen und unsereCommunicationen abschneiden, und daher fordert es der eigene Vortheildes Feindes, dass er sich vor uns in der Fronte zurückziehe, uns hintersich weglocke und dadurch den Truppen, welche die Umgehung bewerk-stelligen, Freiheit gebe, in unserem Rücken zu operiren.

Wenn wir von zwei feindlichen Armeen in der Fronte und im Rückenbedrängt werden, so müssen wir ihnen ausweichen, wenn möglich durcheinen Flankenmarsch nach rechts oder links: wenn dies aber nicht mög-lich ist, so müssen wir kämpfen.

Wenn zwei feindliche Armeen gegen uns auf diese Weise von zweiSeiten von Weitem heranrücken und wenn dabei unser Gebiet stark istund gute Festungen hat, die unsere Magazine ganz sichern, so müssenwir eine starke Position einnehmen und können dann ganz ruhig sein.Denn so zahlreiche Armeen können nicht zwei Wochen zusammenbleiben: Mangel an Proviant wird sie zwingen, sich von einander zutrennen. Wenn aber unser Gebiet keine Festungen hat, die uns deckenkönnten, so muss man bemüht sein, eine von den beiden feindlichen Ar-meen zu schlagen oder, indem man sich auf der äusseren Flanke einerderselben aufstellt, sie zwingen, sich zu vereinigen und auf einer undderselben Operationslinie zu operiren, aber dabei müssen wir durchauseiner Schlacht ausweichen, was für uns immer möglich sein wird. Beidefeindliche Armeen werden bald gezwungen sein, sich von einander zutrennen und sich zurückzuziehen, weil sie vereinigt sich nicht aus Ma-gazinen, die nur für eine derselben hergerichtet worden, werden ver-pflegen können.

Schliesslich, wenn zwei Armeen auf zwei verschiedenen Operations-linien gegen zwei von einander abgesonderte Gebiete operiren, so mussman. wenn es möglich ist, ihnen auch zwei Armeen entgegenstellen;