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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 3 (1875) Kriege der II. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts in West-Europa : 1740 - 1792 ; die Kriege Friedrich's des Grossen
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308 HI- Kriege in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

der Truppen und die Kunst der Feldherren. So kommt es, dass ein oderzwei Siege die Eroberung eines ganzen Staates nach sich zogen und bis-weilen zwanzig Siege über einen bedeutend schwächern Feind gar keineentschiedenen Folgen hatten. Der Unterschied in der Regierungsforni,der sich in allen Zweigen der Civil- und Militärverwaltung fühlbar macht,muss ein bedeutendes Gewicht bei Zusammenstellung des Kriegsplaneshaben, weil in derselben die Hauptquelle der Kriegsoperationen ent-halten ist, und diese stark oder schwach, schnell oder langsam seinwerden, je nach der Regierungsform desjenigen Staates, welcher Kriegführt.

Von Allem, was Lloyd über den Einfiuss der verschiedenen Regie-rungsformen auf den Krieg und auf die Kriegsoperationen sagt, istdurch ihre Richtigkeit besonders die von ihm gegebene Schilderung derRegierung der Türkei und die Art und Weise der Kriegführung derTürken und ihrer Gegner bemerkenswerth. Die Unterwerfung einesdespotischen Staates geschieht bisweilen nur in Folge des Wechsels desobersten Herrschers, an dessen Stelle der Eroberer tritt. Alles unter-wirft sich und in seinem Staate bilden sich nur zwei Stände: die Be-siegten oder die Volksmasse, und die Sieger oder die Armee des Er-oberers. Um das eroberte Land in Zucht und Ordnung zu erhalten,giebt es kein anderes Mittel, als die Truppen in die Provinzen zu ver-theilen und sie Personen unterzuordnen, welche in sich die Civil- undMilitärmacht vereinigen (die römischen Proconsuln, die türkischen Pa-schas) . Daraus entsteht eine Verwaltung, ähnlich der feudalen. Die Na-bobs Indiens, die Timarioten der Türkei, die feudalen Barone und Grafendes Mittelalters sind ein und dieselben Personen. Die ganze Kraft einessolchen Staates muss, um Eroberungen zu machen und diese zu erhalten,in den Truppen concentrirt sein, welche noch eine Art Einheit und etwasGanzes und zwar während des Krieges beibehalten. Allein in Friedens-zeiten wird diese Einheit schwächer und stürzt zusammen; der Gebrauch,die Truppen in Friedenszeiten zu sammeln, sie zu schulen und zumKriege vorzubereiten, um jene Einheit aufrecht zu erhalten, existirt nicht.Die Truppen werden verweichlicht, sind schwer zu sammeln, und daherkönnen sie den Feldzug erst spät eröffnen, müssen ihn früh beendigen undvermögen nicht lange an Ort und Stelle zu bleiben. Ein grosser Theil dertürkischen Truppen, ähnlich der frühern europäischen feudalen Miliz,dient nur eine bestimmte Zeit, nach deren Ablauf er nach Hause zu-rückkehrt. Daher sind die Türken nicht im Stande einem beständigenund regelrechten Kriegsplane zu folgen; sie marschiren, stellen sich aufund kämpfen ohne Einrichtung und Ordnung, so dass es ihnen, wenn sieplötzlich angegriffen werden, weder möglich ist den geringsten Wider-stand zu leisten noch sich in Ordnung zurückzuziehen. Ihre Angriffe