9. Die Art und Weise der Kriegführung in der Periode von 1740—1792. 285
ausweichend, operirten, nahmen fast ununterbrochen ihre Zuflucht zuOperationen auf die feindlichen Communicationen und zum Manövriren,als den wichtigsten Mitteln zur Erreichung vorgesteckter Ziele. Aufdiese Weise bestanden die Kriege dieser Zeit hauptsächlich im Ma-növriren. Am Anfange dieser Periode, in den schlesischen und im sieben-jährigen Kriege, zeichnete sich bezüglich der Manövrirfähigkeit eigent-lich nur die preussische Armee aus, aber gegen Ende dieser Periodewurde diese Fähigkeit ein Gemeingut aller europäischen Armeen und ent-sprach mehr der allgemein herrschenden Leidenschaft zum Manövriren,als der gänzlichen Unfähigkeit der Armeen im Manövriren am Ende des17. und am Anfange des 18. Jahrhunderts. Was aber die Manövrirkunstanbelangt, so war sie ebenso, wie in der vorhergehenden Periode, dasEigenthum weniger Feldherren, an deren Spitze Friedrich und PrinzHeinrich von Preussen gestellt werden müssen.
Die Operationen gegen die feindlichen Communicationen wurdenentweder durch ganze Armeen und Armeecorps oder durch leichteTruppendetachements bewerkstelligt. Die Operationen erster Art, innotwendiger Verbindung mit einer Schlacht, wurden hauptsächlich vonentschlossenen Feldherren ausgeführt [besonders von Friedrich) undwaren grösstentheils erfolgreich, hatten aber auch bisweilen traurigeFolgen (wie z. B. Fink bei Maxen). Operationen der zweiten Art hin-gegen wurden hauptsächlich von den österreichischen und russischenFeldherren bewerkstelligt, welche in ihrem Armeebestande zahlreicheleichte Truppen hatten, und waren fast immer erfolgreich, besonders dieOperationen der österreichischen leichten Truppen gegen Friedrich (inden schlesischen Kriegen, bei der Belagerung von Olmütz u. s. w.).
§. 119.Entschiedene Operationen und der Kampf.
Obgleich der Operationscharakter im Allgemeinen ein langsamer undunentschlossener war, so kommen dennoch bedeutend häufiger, als inder vorhergegangenen Periode, entschlossene Operationen vor, die denKampf zum Zweck hatten. Durch besondere Entschlossenheit zeichnetensich die Operationen Friedrich's und der russischen Feldherren Rum-janzow, Suworow, Repnin, Dolgorukowu. a. m. aus. Auch" Schlachtenkamen bedeutend häufiger vor und dabei grösstentheils nicht zufällige,sondern mit dem bestimmten Ziele, entweder die feindliche Armeeganz zu vernichten oder ihr eine starke Niederlage beizubringen oderendlich um sie vom Gegenstande ihrer Operationen zurückzuwerfen. Dieschlesischen Kriege, der Anfang des siebenjährigen Krieges und die der