284 HI- Kriege in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
beschützen, that den Feldherren dieser Zeit ausserordentlichen Zwangin ihren Operationen an. Aus diesen Gründen waren die Operationen derArmeen, wie früher, grösstenteils langsam und unentschieden, be-schränkten sich oft auf Streifzüge und unwichtige Unternehmungen oderwaren aus Mangel an Proviant erfolglos. Friedrich und die russischenFeldherren, welche gegen die Türken und Polen operirten, besondersEumjanzow und Suworow, bilden eine Ausnahme davon, weil sie es ver-standen, ihre Armeen und Truppen weniger abhängig von den Magazinenund freier in ihren Bewegungen und Operationen zu machen. In ihrenOperationen bemerktman ausser grösserer Schnelligkeit und Entschlossen-heit, weise aber nicht übermässige Fürsorge zum Schutz der eigenenCommunicationen im Rücken, eine Absonderung nur eines nöthigenTheiles der Streitkräfte zu diesem Zwecke und die Belassung der Haupt-macht zu Operationen gegen den Feind selbst. Hingegen in den Opera-tionen der übrigen Feldherren dieser Zeit, besonders der österreichischen,findet man in allen Fällen und Umständen eine übermässige und unnützeFürsorge für ihre Communicationen und in Folge dessen eine grössereoder geringere Zerstückelung der Streitkräfte,.,so dass oft für die Haupt-operationen gegen den Feind ziemlich schwache Kräfte übrig blieben.Daun zeichnete sich besonders durch seine Fürsorge für seine Communi-cationen und in Folge dessen durch die Zerstückelung seiner Streitkräfteaus. Am Ende des siebenjährigen Krieges war auch Friedrich gezwun-gen, die Fürsorge für seine Communication zu vergrössern, aber er dehntesie nicht bis aufs Aeusserste aus und hielt seine Streitkräfte noch mehrconcentrirt als beim Beginne des Krieges.
In gleichem Maasse vergrösserte sich, wie ganz natürlich, auch dieWichtigkeit der Operationen gegen die feindlichen Communications-linien und die des Manövrirens überhaupt, was zur allgemeinen Leiden-schaft aller Feldherren wurde und als erstes und hauptsächlichstes Mittelim Kriege galt. Friedrich und die russischen Feldherren, welche gegendie Türken und Polen operirten, machen auch in dieser Hinsicht eineAusnahme. Friedrich setzte sich zwar nicht über das Manövriren undOperiren gegen die feindlichen Communicationen hinweg, sondern nahmdazu ziemlich oft seine Zuflucht, besonders in den schlesisehen Kriegenund aus Notwendigkeit in den letzten Feldzügen des siebenjährigenKrieges. Aber er wandte es nur als untergeordnetes, wenn auch nütz-liches Hülfsmittel an, wie schon früher bemerkt worden ist. In den Kriegenmit den Türken und Polen dagegen hatten die russischen Feldherrenes nicht nöthig. zum Manövriren ihre Zuflucht zu nehmen, und daherfand solches, mit einigen Ausnahmen, die an geeigneter Stelle angegebenwerden sollen, auch gar nicht statt. Alle übrigen Feldherren dieser Zeitaber, welche grösstentheils langsam und unentschlossen, dem Kampfe