Druckschrift 
Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 3 (1875) Kriege der II. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts in West-Europa : 1740 - 1792 ; die Kriege Friedrich's des Grossen
Entstehung
Seite
244
Einzelbild herunterladen
 

244 HI. Kriege in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

feindliche Flanke und bedrohte die grossen österreichischen Magazine inBraunau. Am 5. Juli griff Friedrich auf der linken Flanke Daun's diePosition bei Adelsbach an. wo das schwache Corps Brentano's auf-gestellt war, aber dieser Angriff war erfolglos, weil er nicht entschlossengenug ausgeführt und die angreifenden Truppen nicht gehörig unterstütztwurden. Darauf setzte Friedrich die Umgehung Daun's fort, den erauch schliesslich zwang, seine linke Flanke nach Dittmannsdorf zurück-zuschieben und die Magazine in Braunau aufzuheben. Friedrich stelltesich der linken Flanke Daun's gegenüber auf und entsandte das CorpsWieda's auf die Strasse nach Trautenau, wie zum Einfall nach Böhmen.Da aber Daun trotzdem in seiner Position blieb und inzwischen zurVerstärkung seines linken Flügels den rechten, der in der Nähe vonSchweidnitz auf den Höhen bei Burkersdorf und Leutmannsdorf gebliebenwar, schwächte, so bcschloss Friedrich, ohne Verzug Daun auf diesemPunkte anzugreifen, ihn zum Rückzug von Schweidnitz zu zwingen,und diese Festung zu belagern. Nachdem er das Corps Wieda's ausBöhmen zurückberufen, sandte er es nach Burkersdorf und Leutmannsdorf.Zu derselben Zeit erhielt Tschernitschew die Nachricht von der Thron-besteigung der Kaiserin Katharina IL und den Befehl, mit seinem Corpsnach Russland zurückzukehren. Friedrich, der die ganze Wichtigkeitsolcher Schwächung seiner Armee in einer für ihn so entscheidendenZeit erkannte, bewog Tschernitschew, noch drei Tage bei ihm zu bleiben,und versprach ihm, seine Truppen nicht zum Kampfe zu verwenden.Tschernitschew ging darauf ein und durch seine Gegenwart allein trug erviel zum Erfolge des von den Preussen am 10./21. Juli gegen Burkersdorfund Leutmannsdorf gerichteten Angriffs bei. Nach hartnäckigem Kampfewurde der rechte österreichische Flügel zurückgedrängt, Daun verlor dieCommunication mit Schweidnitz, zog sich zurück und stellte sich zwischenWüstwaltersdorf und Donnerau auf, Friedrich aber nahm Stellung vorSchweidnitz und belagerte es (8. August). Acht Tage darauf (16. August)versuchte es Daun, Schweidnitz zu entsetzen, indem er das Corps Becksgegen die Truppen des Herzogs von Bevern, die bei Reichenbach auf-gestellt waren, sandte, zog sich aber, da er keinen Erfolg hatte, in dieGrafschaft Glatz zurück. Nach zweimonatlicher hartnäckigster Verthei-digung capitulirte im Spätherbst (9. October) Schweidnitz, das vonGribenval vertheidigt worden war. Gleich darauf (15. October) sandteFriedrich das Corps Wieda's [20 Bataillone, 55 Escadronen und 60 Ge-schütze) nach Sachsen zur Verstärkung des Prinzen Heinrich und am24. November, nach Abschluss eines Waffenstillstandes, bezogen beideParteien Winterquartiere in Schlesien.