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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 3 (1875) Kriege der II. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts in West-Europa : 1740 - 1792 ; die Kriege Friedrich's des Grossen
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7. Der siebenjährige Krieg. 239

auf allen Punkten. In Sachsen musste Prinz Heinrich das Erzgebirgeräumen, und auf ein sehr beschränktes Terrain des Landes zusammen-gedrängt, war er kaum im Stande seine Armee zu verproviantiren. DieOesterreicher hatten in Sachsen die wichtigsten Punkte eingenommenund konnten im nächsten Feldzuge gerade in die Mitte Preussens ein-marschiren. Mit dem Verluste von Schweidnitz hatte der König dieHälfte Schlesiens verloren und ihm verblieben nur die Festungen an derOder und das Land auf der rechten Seite dieses Flusses, das in so hohemGrade von den Russen verwüstet worden war, dass es der Armee garkeine Mittel zum Unterhalte gewähren konnte. Der Einkauf von Proviantin Polen war unmöglich, weil 15,000 Mann Russen auf der Grenze Polenseine Sperrkette gebildet hatten. Ostpreussen wai : schon seit langer Zeit(4 Jahre) von den Russen besetzt, welche nach der Eroberung Kolbergssieh auch in Pommern festgesetzt hatten und von dort in Brandenburgeinfallen konnten. Mit einem Worte, der König hatte einen bedeuten-den Theil seiner Besitzungen, die Mittel zur Ergänzung und zum Unter-halt seiner Armee verloren. Der Untergang Preussens schien unvermeid-lich .... So war die Lage Friedrich's im Jahre 1761. Trotzdem wandteer durch die Kraft seines moralischen Einflusses, von dem oben ge-sprochen worden ist, durch Geistesstärke, Kühnheit seiner Operationen,mehr noch als durch die Geschicklichkeit seiner Manöver, von Preussenden drohenden Schlag ab, und wenn nicht sehr ungünstige Umständeund die äusserste Erschöpfung der materiellen Kräfte und Mittel Preus-sens ihn gehindert hätten, so würde er sogar wichtige Erfolge erzielthaben. Im Speciellen kann man vom Feldzuge des Jahres 1761 folgendeBemerkungen machen: 1) ist dasselbe zu sagen, was schon mehrereMale bei Prüfung der vorhergehenden Feldzüge bemerkt worden ist,nämlich dass Friedrich viel zu früh Goltz nach Glogau zur Beobachtungder russischen Armee sandte, welche, wie ihm bekannt war, ihreOperationen nicht früher als Ende Juli eröffnen konnte. Wenn er Goltznicht so früh abgeordert, so hätte er etwa 60,000 Mann gegen Laudongehabt, der zu der Zeit selbst nicht stärker war; 2) wenn es Friedrichauch, nachdem er die Garnisonen der schlesischen Festungen ver-stärkt, mit 80,000 Mann vermocht hätte, Daun aus Sachsen zu ver-drängen und Dresden vor der Ankunft der russischen Armee inSchlesien zu erobern, späterhin aber Sachsen wieder verloren hätte, sohätte er nur seine Armee geschwächt; 3) war der Prinz von Würtem-berg, ebenso wie Goltz, viel zu früh nach Kolberg abgesandt worden.4) waren in diesem Feldzuge die Preussen auf allen Punkten zwei Malschwächer als ihre Gegner (in Pommern stand der Prinz von Würtem-berg mit 12,000 gegen 24.000 Mann Russen und Belling mit 3000 gegen10,000 Mann Schweden, in Sachsen 35,000 Preussen gegen 60,000 und