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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 3 (1875) Kriege der II. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts in West-Europa : 1740 - 1792 ; die Kriege Friedrich's des Grossen
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7. Der siebenjährige Krieg. "235

Friedrich blieb noch gegen zwei Wochen im Lager bei Bunzelwitz.Um Buturlin ganz von den Grenzen Preussens zu entfernen, entsandte er,bei aller seiner Schwäche an Streitkräften, den General Platen mit 14Bataillonen und 25 Escadronen zur Vernichtung der russischen Magazinein Polen. Diese Massregel erwies sich als unnütz: Platen fand un-bedeutende Vorrathsniederlagen, sein Marsch hatte gar keine wichtigenFolgen und er schloss sich schliesslich bei Kolberg dem Prinzen vonWürttemberg an. Nach Verlauf von zwei Wochen, als die in Schweid-nitz aufgespeicherten Vorräthe erschöpft waren, marschirte Friedrich zurNeisse, von wo er Glatz und die Communicationen Laudon's mit dieserFestung und Böhmen bedrohen und im Nothfalle Schweidnitz und Bres-lau zu Hilfe kommen konnte. Aller Erwartung seinerseits zuwider folgteihm Laudon nicht nach, sondern machte, nachdem sich die preussischeArmee hinlänglich entfernt hatte, ganz unverhofft einen Angriff aufSchweidnitz und eroberte diese Festung nach hartnäckigem Kampfedurch Sturm. Der Verlust dieser Festung war für Friedrich sehr fühlbar,weil mit der Eroberung derselben die Oesterreicher sich in Schlesienfestsetzten. Aber der Wiener Hof verstand es nicht, die gelungene undnützliche Heldenthat Laudon's würdig zu schätzen; da er diese ohne Be-fehl und Genehmigung des Hofkriegsrathes vollbracht, fiel er in Ungnadebei Maria Theresia und wurde kaum durch die Vermittelung des KaisersFranz und der Fürsten Kaunitz und Lichtenstein gerettet. Bald darauferhielt er den Befehl, einen Truppentheil zur Armee Daun's nach Sachsenzu senden und sich in Schlesien auf strenge Defensive zu beschränken.

Nach der Eroberung von Schweidnitz befürchtete Friedrich, dassLaudon sich gegen Breslau wenden könnte und marschirte schnell (6. Oc-tober) nach Strehlen, von wo aus er sowohl Breslau als Neisse deckte.Laudon blieb in Folge erhaltener Befehle mit seinen 65,000 Mann inUnthätigkeit und bald darauf bezogen beide Parteien Winterquartiere,die Oesterreicher in Oberschlesien, das Corps Tschernitschew's in derGrafschaft Glatz und die Preussen in der Umgegend von Breslau undBrieg.

§.96.Operationen in Pommern.

In Pommern stellte sich der Prinz von Würtemberg noch im An-fange Juni mit 12,000 Mann im befestigten Lager bei Kolberg auf,um diese Festung vor den Angriffen der russischen Truppen zu schützen.Sein Corps, das gleich anfangs Mangel an Proviant litt, war gezwungen,sich die Lebensmittel aus entlegenen Gegenden zu beschaffen, so dass