7. Der siebenjährige Krieg. 233
griffe überzugehen erlaubte. Aber die Hauptstärke desselben bestand inder sehr geschickten, der Oertlichkeit entsprechenden TruppenaufstellungFriedrich's. Besonders vortheilhaft waren in der Mitte des Lagers 58Escadronen, zusammen als Eeserve aufgestellt. Uebrigens war dasLager nicht unzugänglich. Die günstigsten Punkte zum Angriffe dessel-ben befanden sich zwischen Jauernick und Bunzelwitz und zwischenPeterwitz und Neudörf. Wenn die 130,000 Mann starke verbündete Ar-mee das in demselben befindliche 60,000 Mann starke preussische Heervon verschiedenen Seiten angegriffen hätte, so hätte Friedrich, im Falleeines Erfolges dieses Angriffes, eine gänzliche Niederlage erleidenkönnen. Und daher erscheint es beim ersten Blick sonderbar, weshalbFriedrich sich vergebens dieser Gefahr unterwarf, da er die Möglichkeithatte, derselben auszuweichen, indem er ein vorteilhafteres Lager beiBreslau beziehen konnte, von wo aus er ebenso zu jeder Zeit über Lau-don herfallen konnte, wenn er zur Belagerung von Schweidnitz ge-schritten wäre. Dieses erklärt sich jedoch 1) dadurch, dass Friedrich imVergleich mit den Oesterreichern sehr viel Infanterie und fast 6 Ge-schütze (grösstentheils schwere) auf je 1000 Mann hatte, und 2) durchseine Ueberzeugung, dass die Oesterreicher, ihrer Gewohnheit gemäss,sich durch Detachements zur Sicherstellung ihrer Communicationenschwächen würden, und dass die russische Armee, die nur eine Hilfs-armee war, nichts Entschiedenes vornehmen würde, aber hauptsächlich,dass die Uneinigkeit zwischen den Verbündeten jede Einheit in ihrenOperationen verhindern würde. Dieser Umstand verringerte bedeutenddie Gefahr der Lage Friedrich's. Das Lager bei Breslau war unzweifel-haft weit weniger gefährlich; da aber die Festung Schweidnitz dann vonden Verbündeten belagert worden wäre, so hätte Friedrich früher oderspäter zum Entsatz derselben schreiten müssen. In diesem Falle konnteLaudon, wenn sich die russische Armee nur nicht von der österreichischentrennte, nach Absendung eines Truppentheiles zur Belagerung vonSchweidnitz, mit seiner Hauptmacht eine vortheilhafte Position einnehmen,Friedrich aufhalten und die Festung erobern. Das Manövriren Friedrich'sgegen die Communicationen der Oesterreicher wäre ziemlich unnütz ge-wesen, weil Laudon auf dieser Seite die Festung Glatz inne hatte.Schliesslich deckte die Aufstellung Friedrich's in der Nähe von Schweid-nitz diese Festung bedeutend besser, als sein Marsch dorthin von Breslauaus, weil im ersten Falle der Feind Friedrich angreifen musste und imzweiten sich nur gegen ihn zu vertheidigen brauchte.
Und so entsprach das befestigte Lager bei Bunzelwitz, stark durchseine Oertlichkeit, durch die Vertheilung seiner abgesonderten Werkeund noch mehr durch die Truppen in demselben, allen Forderungen intaktischer Hinsicht. Aber am wichtigsten war, dass Friedrich durch seine