7. Der siebenjährige Krieg. 213
rige Lage, dass er nach seinen eigenen Worten Alles wagen und Allesunternehmen musste, um nur irgend welches Uehergewicht über denFeind zu gewinnen. Der Verlust von Glatz schien unvermeidlich undmit diesem auch die Pässe über das Riesengebirge, die, von den Oester-reichern im Rücken genommen, nicht mehr von den Preussen vertheidigtwerden konnten, und dem Feinde eröffnete sich ein freier Weg nachBerlin. Andererseits konnte die kleinste Entfernung Friedrich's aus Sach-sen ihm den Verlust dieses Landes kosten und den Oesterreichern auchaus Böhmen den geradesten und bequemsten Weg nach Berlin eröffnen.Unter diesen schwierigen Umständen entschloss sich Friedrich nachSchlesien zu gehen und dadurch Dann dorthin abzuziehen. Dieser Planwar ganz auf Kenntniss des vorsichtigen Charakters Daun's begründetund Hess Friedrich hoffen, nach Beendigung der Operationen in Schlesiennoch rechtzeitig Sachsen zu Hilfe kommen zu können. In Folge dessenHess Friedrich Hülsen mit einem Truppentheile in Sachsen (bei Katzen-berg) zur Vertheidigung desselben und ging selbst in der Nacht des14. Juni mit der Hauptmacht zwischen Zehreu und Zadel über die Elbe,entschlossen das detachirte Corps Lascy's anzugreifen, um sich den Wegnach Schlesien zu eröffnen. Dann hatte eine sehr günstige Gelegenheitdie Armee Friedrich's inTheilen zu schlagen, aber er dachte nur an seineeigene Sicherheit, befestigte sich sorgfältig in seiner eigenen Position,beschränkte sich auf die Defensive, verstärkte Lascy und befahl ihmnach Bernsdorf zu marschiren, ging selbst am 17. Juni bei Dresden überdie Elbe und blieb bei Boxdorf stehen. Bei dem weiteren VorrückenFriedrich's befahl Daun zur Deckung seiner rechten Flanke Lascy sichin Lausa aufzustellen. Inzwischen erfuhr Friedrich, der bis Radeburggekommen war, von der Vernichtung des Corps Fouque's, und da keineNothwendigkeit mehr vorhanden war nach Grlatz zu eilen, dessen Ret-tung er schon nicht mehr für möglich erachtete, beschloss er durch eineScheinbewegung nach Schlesien Daun zu zwingen dorthin Laudon zuHilfe zu kommen, und nach seiner Entfernung aus Sachsen sich schnellzurückzuwenden und Dresden zu erobern. Zu diesem Zweck marschirteer am 26. Juni aus Radeburg über Königsbrück nach Bautzen. NachdemDaun von seinem Marsche erfahren, rückte er sofort von Boxdorf ausund blieb, stets Friedrich zuvorkommend, bei Görlitz stehen, das CorpsLascy auf einen Tagemarsch hinter sich. Da wandte sich Friedrich,der sich zwischen Daun und Lascy befand, ganz unerwartet gegenden Letzteren in der Absicht ihn anzugreifen; aber Lascy wich geschicktdem Kampfe aus und vereinigte sich, nachdem er sich nach Dresden zu-rückgezogen, auf dem linken Eibufer mit der Reichsarmee. Friedrieh,ihn verfolgend, ging auch über die Elbe, vereinigte sich mit Hülsen undnachdem er Dresden blockirt hatte, eröffnete er gegen dasselbe die Belä-