7. Der siebenjährige Krieg. 209
Verluste ihres Reiches zu ersetzen. Für Oesterreich war eine erfolgreicheBeendigung des Krieges sogar Ehrensache.
Auch gingen die Wünsche Friedrich's hinsichtlich irgend einer wich-tigen Umwälzung in der europäischen Politik nicht in Erfüllung. Erhoffte den Tod des Königs von Spanien Ferdinand VI. (im August 1759)zu benutzen, einen Krieg in Italien hervorzurufen und dorthin die Auf-merksamkeit und einen Theil der Streitkräfte Oesterreichs abzulenken.Aber Maria Theresia, die ihre Lage richtig beurtheilte, entschloss sicheinstweilen die Streitfrage über Italien auf sich beruhen zu lassen, umnicht dadurch von ihren Hauptoperationen gegen Preussen, welche dieZurückeroberung Schlesiens zum Zwecke hatten, abgezogen zu werden.Ferner versuchte Friedrich gegen Oesterreich die Hohe Pforte aufzureizen,hatte aber auch darin keinen Erfolg.
Somit war ein Frieden unmöglich, die Fortsetzung des Krieges un-vermeidlich, und zwar mit noch ungleicheren Streitkräften. Friedrichkonnte bei den grössten Anstrengungen kaum 100,000, und mit Ein-schluss der Garnisonen 120,000 Mann aufbringen, welche in den vor-hergehenden Feldzügen und im Winter von 1759—1760 rekrutirt wor-den waren, die weder Ausbildung, noch Erfahrung, noch die den altenTruppen eigene Routine zum Kriege hatten und die von Officieren befeh-ligt wurden, welche aus Nothwendigkeit, ohne strenge Auswahl, ausMangel an besseren in den Dienst aufgenommen worden waren. Undmit diesen Streitkräften, mit solcher Art Truppen musste Friedrich sichgegen 225,000 Mann österreichische, russische, schwedische und Reichs-truppen wehren, von denen sich die ersteren durch ausgezeichneteOrganisation, die russischen durch die ihnen eigene grosse Tapfer-keit und andere militärische und kriegerische Eigenschaften auszeich-neten.
Im Anfange des Feldzuges waren die Streitkräfte beider Parteienfolgendermassen aufgestellt:
Dann befand sich mit der Hauptmacht der öster-reichischen Armee hinter dem Plauen'schen Grunde, in-dem er Dresden besetzte und Lascy mit 15,000 Mannauf dem rechten Eibufer hatte, — im Ganzen gegen . 80,000 Mann
Laudon mit einer abgesonderten Armee in der Nähevon Jägerndorf in Schlesien . . . .• . . . . . 40,000 .,
Die Reichsarmee in Franken....... 20,000 .,
Die schwedischen Truppen in Pommern . . . . 10,000 „
Die russische Armee, von der 65,000 Mann unterdem Befehl© Soltikow's zum Operiren in Schlesien be-
Latus 150,000 Mann
Galitzin, Allgem. Kriegsgeschichte. III, 3. 1-1