6. Der siebenjährige Krieg. 179
in ihrem Marsche durch Ueberschreitung von Sümpfen über schmaleDämme und durch andere örtliche Hindernisse aufgehalten. Die Reitereiwand sich mit grossen Schwierigkeiten unter dem Feuer der Spitzberg-Batterien zwischen den Teichen in der Nähe von Kimnersdorf hindurchund griff die Truppen des russischen Centrums an. Aber das Kar-tätschenfeuer und der Angriff einiger russischen und österreichischen Es-cadronen in der Flanke brachten sie in gänzliche Unordnung und nöthig-ten sie zum Rückzug hinter die Infanterie des preussischen linken Flü-gels. Diese hatte einen Theil von Kunnersdorf besetzt und wandte sichgegen den Spitzberg. Fink, der sich nach rechts ausgebreitet hatte,marschirte gegen die Höhe von Eisbruch, und Friedrich griff mit demrechten Flügel den Kuhgrund an. Aber alle diese wiederholt erneuertenAngriffe, besonders der letzte, wurden jedes Mal mit grossem Verlust fürdie Preussen zurückgeschlagen. Schon blieb nicht die geringste Hoff-nung auf Erfolg; aber Friedrich stellte den Kampf nicht ein und befahldem Prinzen von "Würtemberg (Seydlitz war schwer verwundet) mit derReiterei vom linken Flügel auf den rechten überzugehen und die russi-sche Infanterie anzugreifen. Aber die preussische Reiterei, durch hefti-ges Artilleriefeuer in Verwirrung gebracht, zog sich eilig und in Unord-nung zurück. Als schliesslich ein Theil der österreichischen Reiterei diepreussische Infanterie auf der rechten Flanke Fink's angriff und warf,begann die ganze preussische Armee in Verwirrung und Unordnung sichzu den Brücken über das Flüsschen Hühnerflies zurückzuziehen, drängtesich auf denselben zusammen, erlitt dabei grosse Verluste durch das hef-tige Feuer der russischen Artillerie und verlor nicht nur alle von denRussen eroberten Geschütze, sondern sogar 80 eigene. Friedrich decktepersönlich mit einem Infanterieregimente den Rückzug; zwei Pferdewurden ihm unter dem Leibe erschossen, eine Flintenkugel zerschmet-terte ihm ein goldenes Etui in der Brusttasche. Aber trotz allen Bittenseiner Umgebung verliess er das Schlachtfeld nicht. sondern blieb unterdem heftigen feindlichen Feuer: er wollte, wie es schien, seine Nieder-lage nicht überleben; fast wäre er dabei in Gefangenschaft gerathen,nur mit Gewalt wurde er von seinen Adjutanten aus dem Kampfe ge-rissen. Inzwischen verwandelte sich der Rückzug der preussischen Ar-mee in gänzliche Flucht. Zum Glück für Friedrich befanden sich dierussischen und österreichischen Truppen nach der Schlacht in ausser-ordentlicher Verwirrung, hauptsächlich aber ging Soltikow, der Daunund den Oesterreichern nicht wohl wollte und, wie Einige erklären, ausSchonung für Friedrich und die preussische Armee, nicht auf die vonLaudon geforderte entschiedene Verfolgung ein. sondern blieb mit derganzen russischen Armee auf dem Schlachtfelde: die fliehenden Preussen
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