178 HI- Kriege in.der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts.
Gewehr- und Kartätschenfeuer, mit Sturm die russischen Aussenbefesti-gungen eroberten, schnell den Mühlberg erklimmten, die russische In-fanterie mit dem Bajonnet angriffen, sie nach Kunnersdorf warfen und70 Geschütze eroberten.
Wenn jetzt Friedrich Eeiterei bei der Hand gehabt und die preus-sische Artillerie leicht und schnell auf den Mühlberg hätte hinaufgeschafftwerden und von dort längs der ganzen russischen Schlachtlinie ihr Feuerhätte eröffnen können, so wäre der Sieg wohl zu Gunsten Friedrichsausgefallen. Zum Unglück für den Letzteren befand sich seine ganzeReiterei auf der entgegengesetzten Flanke und konnte der beschwerli-chen Oertlichkeit wegen nicht schnell anlangen, und die preussische Ar-tillerie war noch zu wenig beweglich. Die günstige Zeit verstrich, dierussischen Truppen vermochten sich von Neuem aufzustellen, und derKampf nahm eine andere Wendung.
Nach Einnahme des Mühlberges und nach Verstärkung der preus-sischen Grenadiere durch einen Theil der Infanterie des preussischenrechten Flügels, und nachdem auch der russische linke Flügel durchTruppen aus dem Centrum und dem rechten Flügel und zahlreiche Ar-tillerie unter dem Befehle des Generalmajors Panin frischen Zuzug er-halten hatte, entbrannte der Kampf von Neuem und mit grösserer Erbit-terung. Bald darauf aber zwang Fink, der über den Hühnerflies beider grossen Mühle gegangen war und mehr rechts vom Mühlberg denrussischen Truppen in die Flanke und in den Rücken marschirte, diesezum Rückzug hinter Kunnersdorf und den Kuhgrund. Ein Theil derrussischen Infanterie vereinigte sich hier mit der österreichischen, dievon Laudon aus der Reserve herbeigeführt worden war, und stellte sichperpendiculär zur früheren Schlachtlinie der russischen Armee am Randedes Kuhgrundes auf, wo starke Batterien errichtet wurden. Wie esschien, war der Sieg schon ganz auf Seiten Friedrich's: die russischeArmee hatte zwei Drittheile ihrer Position aufgegeben, 90 Geschützeverloren und eine ungemein enge und tiefe Aufstellung von einigenLinien, auf nicht mehr als 800 Schritt Entfernuug von den Preussen,inne. Anderseits aber waren die preussischen Truppen durch die derSchlacht vorhergegangenen Märsche aufs Aeusserste erschöpft, die Trup-pen des rechten Flügels ausserdem noch durch den Kampf und durchdie erlittenen grossen Verluste. Daher beredeten auch viele preussischeGenerale Friedrich, den Kampf einzustellen. Aber Friedrich, von demWunsche beseelt, der verbündeten Armee eine gänzliche Niederlage bei-zubringen , entschloss sich trotz allen Vorstellungen seiner Generale,trotz der Ermattung und dem Verluste seiner Truppen, den Kampf bisaufs Aeusserste fortzusetzen und liess den linken Flügel der preussi-schen Armee gegen den Spitzberg vorrücken. Diese Truppen wurden