6. Der siebenjährige Krieg. 171
von den Oesterreichern abhängig nnd gab Anlass zur Uneinigkeit zwi-schen Soltikow und Daun.
§.65.
Anfängliche Operationen in Westfalen, Franken und Böhmen. —Die Schlacht bei Bergen.
Bis zur Eröffnung der Operationen an der Oder und in Schlesiendurch die russische und die österreichische Armee waren beide Parteienbemüht, sich gegenseitig durch Streifzlige zu schaden, die hauptsäch-lich die Zerstörung feindlicher Magazine, die Erhebung von Contributio-nen in Feindesland und die Einnahme solcher Punkte bezweckten , diefür die projectirten Operationen von Nutzen sein konnten. So bemäch-tigte sich Soubise im Januar durch List der freien Stadt Frankfurt und ver-legte dorthin das Hauptquartier seiner Armee. Im Februar und März be-setzten die vom Prinzen Heinrich abgeschickten Truppen die Städte Erfurt,Eisenach, Fulda, Saalfeld und Hof. erhoben dort Contributionen undkehrten nach Sachsen zurück. Der Herzog von Braunschweig, der eswusste, dass Contades sich noch in Paris befand, und voraussetzte, dassbis zu dessen Ankunft die französische Hauptarmee nichts Wichtiges un-ternehmen würde, entschloss sich Ende März einen Theil seiner Truppennach Frankfurt a. M. zu senden, um diese Stadt zu erobern und Broglio(der an die Stelle Soubise's getreten war) zu zwingen, sich hinter denMain oder gar hinter den Rhein zurückzuziehen. Um den Erfolg diesesUnternehmens besser zu sichern, machte Prinz Heinrich einen Streifzuggegen Böhmen. Ein Theil seiner Truppen ging über Peterswalde undSebastiansberg nach Böhmen, marschirte an die Eger und kehrte nachVernichtung der dortigen österreichischen Magazine wieder nach Sachsenzurück. Unterdessen aber marschirte der Herzog von Braunschweig,einen Theil seiner Truppen (25,000 Mann) gegen die Armee Contades'zurücklassend, an der Spitze von 35,000 Mann nach Kassel, wo er sichmit Isenburg, def dorthin aus Göttingen gekommen war, vereinigte.Aber anstatt unverzüglich und eiligst nach Frankfurt zu marschiren, ver-weilte er zehn Tage in Fulda, um sich dort festzusetzen und seine Com-municationen mit Kassel und Westfalen sicherzustellen, und gab somitdem französischen Oberbefehlshaber Zeit, seine Truppen in einer star-ken Position bei Bergen (nördlich von Frankfurt und vom Main) zu con-centriren und in Kampfbereitschaft zu setzen. Am 13. April machteder Herzog von Braunschweig einen Angriff auf die fast unzugänglichePosition Broglio's, wurde aber mit Verlust zurückgeworfen, worauf ersich nach Fritzlar zurückzog, wo er Quartiere bezog, während die ArmeeBroglio's ihre Quartiere jenseits der Lahn aufschlug. Ende April aber