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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 3 (1875) Kriege der II. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts in West-Europa : 1740 - 1792 ; die Kriege Friedrich's des Grossen
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5. Der siebenjährige Krieg. 16]

folgende Aufstellung: die gegen 60,000 Mann starke Armee Clermont-Conde's stand auf dem linken Ufer des Niederrheins, in den Herzogthü-mern Cleve und Jülich, im österreichischen Geldern und im Kurfürsten-thum Köln; die 25,000 Mann starke Armee Soubise's befand sich aufdem linken Ufer der Lahn, während das Heer der verbündeten Hanno-veraner (30,000 Mann standen im Felde und gegen 20,000 Mann warengarnisonirt) zwischen Koesfeld, Münster und dem Flusse Lippe seineAufstellung hatte.

Obwohl die Deckung Westfalens und Hessen-Kassels der Stärkeund Bestimmung der Armee der Verbündeten mehr entsprochen hätte undzugleich auch wichtiger gewesen wäre, so bewog Friedrich dennoch denHerzog von Braunschweig für die kriegerischen Unternehmungen daslinke Rheinufer zu wählen, weil er in Erfahrung gebracht hatte, dass dasVersailler Gabinet die Absicht hegte, die Armee Soubise's, nachdem die-selbe verstärkt worden war, nach Böhmen zu senden. Der Herzog vonBraunschweig beschloss daher unweit des äussersten linken Flügels derArmee Clermont-Conde's den Niederrhein zu überschreiten und dieseArmee längs des linken Rheinufers aufwärts zu drängen. Die Ausfüh-rung dieses Vorhabens musste kühn, ja tollkühn erscheinen, weil die Ar-mee Soubise's, welche am rechten Ufer des Rheins abwärts marschirtwar, Hessen-Kassel und Westfalen besetzen, die dort etablirten Magazineder hannoverschen Armee erobern und dieser den Rückzug abschneidenkonnte. Da jedoch die französische Armee schlecht organisirt, ihre Auf-stellung zu ausgedehnt und Clermont-Conde unentschlossen, ja furcht-sam war, so konnte immerhin ein wichtiger Erfolg erhofft werden.

Ende Mai sammelte der Herzog von Braunschweig seine Armee, de-tachirte den General Isenburg mit 5000 Mann hessischer Miliz mit demAuftrage die Armee Soubise's zu beobachten, und marschirte unbemerktmit 25,000 Mann von Dülmen an den Rhein, überschritt denselben inder Nacht vom 1. auf den 2. Juni bei Emmerich, zwang die Truppen deslinken Flügels der Franzosen sich nach Cleve zurückzuziehen und nachSonsbeck zu marschiren.

Nachdem Clermont-Conde seine Armee zusammengezogen hatte,nahm er, mit dem Rücken gegen den Rhein, eine von Natur starke Po-sition zwischen Kloster-Camp undMillingen, in der Nähe von Rheinberg,ein. Hier griffen ihn die verbündeten Truppen theils in der Fronte an,theils umgingen sie seinen linken Flügel. Nach einem am 12. Juni beiKloster-Camp stattgehabten, ziemlich hitzigen Gefechte (wobei die Infan-terie der Verbündeten zum ersten Male in Bataillonscolonnen aufgestelltwar, deren Spitzen sich in einer Linie befanden) zog sich Clermont-Conde,aus Furcht, an den Rhein zurückgeworfen und von seiner Verbindungmit Frankreich und Soubise abgeschnitten zu werden. in der Nacht in

Galitzin, AUgem. Kriegsgeschichte. III, 3. 11