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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 3 (1875) Kriege der II. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts in West-Europa : 1740 - 1792 ; die Kriege Friedrich's des Grossen
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128 HI. Kriege in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

ihrem Austritt aus dem Walde deployirte die preussisclie Infanterie,stellte sich in zwei Treffen auf und marschirte nach Gross-Jägerndorf.

Der plötzliche, gänzlich unerwartete und die Russen in äussersteVerwunderung setzende Anmarsch der Preussen brachte unter den ver-schiedenen Truppengattungen: Infanterie, Artillerie und Train, die sichauf der Waldblösse angehäuft hatten, die grösste Verwirrung hervor.Die Trainwagen hatten den Weg derart versperrt, dass die Truppen nurmit Mühe reihenweise sich hindurcharbeiten konnten, und nach ihremAustritt aus dem Wagenhaufen vermochten dieselben wiederum nur inReihen rechts längs der Waldkante sich hinzuziehen und unter dem Feuerdes Feindes mit dem Rucken zu derselben sich aufzustellen. Die Preussenrückten, ein Gewehrfeuer in Salven unterhaltend, mit beiden Treffenheran und hatten schon elf russische Regimenter, die ihre Aufstellungmit dem Rücken gegen den Wald genommen hatten, ganz an die Lisieregedrängt, während die übrigen Regimenter noch nicht einmal den Waldpassirt hatten. Aber diese elf Regimenter hielten sich ungemein tapferund hartnäckig, und wenngleich sie grossen Verlust erlitten, so warendoch die Verluste, die sie den Preussen beibrachten, nicht minder gross,besonders verderbenbringend war für die Preussen die russische Artillerie,die mit den neuen Haubitzen von Schuwalow die Reihen derselben ausser-ordentlich lichtete.

Inzwischen griffen die Kosaken des- russischen linken Flügels dieReiterei des gegenüberstehenden feindlichen Flügels an, wurden jedochvon derselben auf ihre eigene zwischen Sitterfeld und Uderballen stehendeInfanterie zurückgeworfen, worauf die Artillerie und Reiterei des russi-schen linken Flügels die preussische Reiterei zurückschlug. Der Reitereides preussischen linken Flügels jedoch gelang es, die russische Reitereides rechten Flügels hinter Weinoten zu werfen, und darauf beschränktensich auch die Erfolge der Preussen. Bei den Flammen der brennendenDörfer Taupölken und Uderballen, den dicken Rauch- und Staubwolkenund dem heftigen Gewehr- und Geschützfeuer entstand im ersten Treffender preussischen Infanterie zunächst ein Wanken, dann Verwirrung, Un-ordnung und endlich gänzliche Auflösung und Flucht, in die auch daszweite Treffen mit hineingerissen wurde. Nach der Infanterie zog sichauch die Reiterei auf beiden Flügeln zurück. Die russische Armee folgteder preussischen auf dem Fusse, blieb aber auf der Stelle stehen, wo vor-her das zweite Treffen der preussischen Infanterie seine Aufstellung hatte,verfolgte also die Preussen nicht weiter, sondern bezog dort ein Lager.Apraxin verblieb in demselben eineganzeWochein gänzlicher Unthätigkeit.

Auf diese Weise wurde die preussische Armee, die beinahe ge-siegt hätte, mit einem Verlust von 3000 Mann an Todten, Verwundeten,und Gefangenen sowie 29 Geschützen besiegt , während die Russen