4. Der siebenjährige Krieg. 125
zulassen: denn Breslau wurde bald darauf gezwungen, sich Friedrichzu ergeben und die dort befindlichen 17,000 österreichischen Soldatenwurden zu Gefangenen gemacht. Ziethen fuhr fort die österreichischeArmee zu verfolgen, welche sich bald ganz nach Böhmen zurückzog,nachdem sie in Schweidnitz eine Garnison zurückgelassen und seit ihremMarsche nach Leuthen fast die Hälfte ihrer ganzen Truppenzahl (gegen40,000 von 90,000) verloren hatte. Gleich darauf wurde auch Liegnitzvon den Preussen erobert — und Schlesien war befreit!
Anfangs Januar 1758 bezogen die preussischen Truppen Winter-quartiere längs der böhmisch-mährischen Grenze, die Hauptarmee inSchlesien und Keith in Sachsen. Die Preussen blockirten und belagertennoch im Winter Schweidnitz.
Nach dem Ausspruche Napoleon's I. ist die Schlacht bei Leuthen dasHöchste, was an Kühnheit sowohl als was in der Operations- und Ma-növrirkunst geleistet worden ist, und genügt diese eine Schlacht, um denNamen Friedrichs IL unsterblich zu machen und Letzteren in die Reiheder geschicktesten Feldherren zu stellen.
§.45.
Operationen in Ostpreussen : Der Marsch der russischen Armee nachOstpreussen. — Die Schlacht bei Gross-Jägerndorf (30. August).
Der Sieg der Oesterreicher bei Kolin bewog das St. PetersburgerCabinet die Vorbereitungen zum Kriege mit Preussen zu beschleunigen.Die russische Armee, die gegen 100,000 Mann ^80,000 reguläre und20,000 irreguläre Truppen) stark war und unter dem Oberbefehle desGenerals-en-chef Apraxin stand, marschirte im Monate Mai in vier Co-lonnen aus Livland über Litthauen an den Niemen. Die eine dieser Co-lonnen, gegen 20,000 Mann stark und vom General-en-chef Fermor be-fehligt, ward nach Memel dirigirt und belagerte, von der russischen Flotteunterstützt, diese Stadt. Die übrigen drei Colonnen waren zusammen-gezogen und von Apraxin zur Deckung der Belagerung von Memel aufdem rechten Ufer des Flusses Euss, bei seiner Einmündung in das kurischeHaff, aufgestellt.
Als der preussische Feldmarschall Lehwaldt, der in Ostpreussen mit22 Bataillonen und 50 Escadronen (28,000 bis 30,000 Mann) stehen ge-blieben war, erfuhr, dass die russische Armee an den Niemen und nachMemel marschire, detachirte er ein Beobachtungscorps nach genannterStadt und marschirte selbst mit seiner Hauptmacht nach Insterburg, woer während der ganzen Zeit der Belagerung von Memel in Unthätigkeitverblieb.