4. Der siebenjährige Krieg. 123
sein früheres Selbstvertrauen, entschloss sich zur Annahme einer Schlachtvor Lissa und nahm daher eine Vertheidigungsstellung hei Leuthen ein.Der rechte Flügel dieser Stellung war durch das Dorf Nippern und denvor demselben liegenden Wald gedeckt, während der linke an die Goh-lauer Teiche stiess. Das äusserste Ende des linken Flügels war zurück-gebogen und bildete mit seiner Gefechtslinie in der Nähe des Dorfes Sag-schütz einen vorspringenden Winkel. Das lange Dorf Leuthen stiessmit dem einen Ende an das Centrum der Oesterreicher; zwischen demCentrum und dem rechten Flügel befand sich das Dorf Trobelwitz. DieNiederung vor Sagschütz war mit Niederwald bedeckt, in welchem Ver-haue errichtet und 2 Bataillone ungarischer Infanterie aufgestellt waren.Ueberhaupt nutzten die Oesterreicher, wie gewöhnlich, sehr geschickt alleTerrainvortheile aus. Ihre Position hatte nur einen, jedoch sehr wich-tigen Mangel, nämlich eine allzu grosse Ausdehnung (fast eine deutscheMeile) im Verhältniss zur Truppenzahl. Die österreichische Armee, derenStreitkräfte sich auf 84 Bataillone (58,000 Mann) und 144 Escadronen14,000 Mann) ohne die leichten Truppen, im Ganzen auf 80,000 Mann,nach der Angabe Anderer auf 90,000 Mann beliefen, war in dieser Posi-tion in zwei Treffen mit kleiner Reserve aufgestellt. Das eingebogeneEnde des linken Flügels der Armee hatte das Corps Nadasdi's inne (dasgrösstentheils aus Baiern und Würtembergern bestand) , 5 Reiterregi-menter unter dem Befehle des Generals Nostiz befanden sich bei demDorfe Borna, eine Viertelstunde vor dem rechten Flügel der Armee.
Am 5. December, mit Tagesanbruch, bewegte sich die preussischeArmee in vier Marschcolonnen von Neumarkt nach Borna, mit 10 Ba-taillonen und 60 Escadronen in der Avantgarde. Vom Nebel begünstigt,fiel die Avantgarde unerwartet über das Detachement Nostiz's her undwarf dasselbe mit Verlust auf den rechten Flügel der österreichischenArmee zurück. Daun und die übrigen österreichischen Generale setztenals gewiss voraus, dass Friedrich diesen Flügel angreifen würde, wes-halb denn auch dorthin die ganze Reserve geschickt wurde. Friedrichjedoch, der sich inzwischen überzeugt hatte, dass die Oertlichkeit, wodieser Flügel seine Aufstellung hatte, sehr schwer zugänglich, der linkeFlügel hingegen sehr schwach war, und dass ausserdem die Gegend, woder rechte Flügel sich befand, die ganze Gefechtslinie der Oesterreicherbeherrschte, beschloss mit seiner ganzen Armee einen Flankenmarschnach rechts zu machen und den linken Flügel der Oesterreicher in schrä-ger Schlachtordnung anzugreifen, d. h. mit seinem rechten Flügel denfeindlichen linken zurückschiebend, um den Fehler zu vermeiden, derdie Ursache seiner Niederlage bei Kolin gewesen war. In Folge dessenformirte die preussische Armee auf dem Marsche, nachdem sie Bornapassirt hatte, aus ihren vier Colonnen zwei Treffen und zog sich mittelst