4. Der siebenjährige Krieg. 121
7700 Mann (darunter 5 Generale und 400 Officiere 1 , 67 Geschütze, vieleFahnen und Bagagewagen verloren und war in solcher Weise auseinan-der gestoben, dass Friedrich in der That nicht wusste, wohin sie zu ver-folgen. Sie sammelte sich erst späterhin bei Erfurt wieder. Der Verlust,welchen die Preussen erlitten, überstieg nicht 400 Mann. Nach Fried-riche Worten wäre die Armee der Verbündeten gänzlich vernichtet wor-den, wenn er eine stärkere Armee gehabt und die Umstände ihn nichtnach Schlesien abberufen hätten.
Von den vielen Fehlern, welche die Verbündeten begangen haben,muss besonders der zur Umgehung der preussischen Armee von ihnenunternommene Flankenmarsch hervorgehoben werden. Friedrich blind-lings nachahmend, erkannten sie nicht die grosse Gefährlichkeit einessolchen Marsches, unternommen mit Truppen, wie die ihrigen waren, ge-gen solch einen Gegner wie Friedrich! Der Letztere hingegen zeigte indieser Schlacht nicht nur wie gefahrvoll ähnliche Flankenmärsclre undUmgehungen sind, sondern auch wie man ihnen erfolgreich entgegenzu-wirken vermag.
Der glänzende Sieg Friedrich's und die vollständige Niederlage derArmee der Verbündeten hatten in moralischer und politischer Hinsichtausserordentlich wichtige Folgen. Sie erregten in ganz Europa und so-gar unter Friedrich's Gegnern (theilweise in Frankreich selbst, und zwarunter den Anhängern des preussischen Königs und seiner Taktik) einennicht zu beschreibenden Jubel, erhöhten die Achtung vor den preussi-schen Waffen und vergrösserten die schon durch die vorhergehenden SiegeFriedrich's verbreitete Furcht vor demselben: sie hoben ungemein denGeist der preussischen Truppen und stärkten das moralische Elementunter denselben; sie vergrösserten nicht nur das gegenseitige Vertrauenzwischen Friedrich und seinen Truppen, sondern auch das Zutrauen Eng-lands und seiner übrigen Bundesgenossen zum Könige von Preussen; siedienten ferner zur Wiederherstellung der Armee des Herzogs von Cum-berland — da England die Convention von Kloster - Seven zurückwiesund eine neue Armee sammelte, welche es der Führung des Herzogs Fer-dinand von Braunschweig anvertraute. -*■ und beruhigten endlich Fried-rich hinsichtlich Sachsens, Schlesiens und ganz Preussens vollständig.
§.44.
Der Marsch Friedrich's aus Sachsen nach Schlesien. — Die Schlacht
bei Leuthen (5. December).
Nach dem Siege bei Bossbach beschloss Friedrich unverzüglich nacbSchlesien zu niarschiren. Da nun aber die österreichischen Detachementsder Generale Marschall und Haddik sich in der Lausitz befanden, so