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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 3 (1875) Kriege der II. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts in West-Europa : 1740 - 1792 ; die Kriege Friedrich's des Grossen
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4. Der siebenjährige Krieg. 93

aber Preussen ausser Oesterreich noch mit Frankreich, Deutschland.Russland und Schweden Krieg zu führen hatte, und aller Wahrschein-lichkeit nach einen langwierigen, so musste es eine der beiden anderenRichtungen, über die Lausitz oder über Sachsen, wählen. Die Richtungüber die Lausitz hatte sowohl für Preussen als auch für Oesterreich dieUnbequemlichkeit, dass sie im Rücken nicht durch Festungen gesichertwar und durch die zwei schwer benutzbaren Bergpässe von Zittau undGabel führte. Die Richtung über Sachsen bot, wie es schien, ebenfallsSchwierigkeiten dar, weil sie über den Rücken des Erzgebirges führteund zudem die Oesterreicher auf dieser Linie ausser Prag, das sich ingutem Vertheidigungszustand befand die übrigen österreichischen Fe-stungen in Böhmen und Mähren, wie Eger, Brunn u. a. waren schwachbefestigt und in schlechtem Zustande), keine Festungen im Rücken hat-ten , gleichwie auf dieser Richtung im Rücken der Preussen nur Magde-burg an der Elbe und Ktistrin an der Oder sich befanden. In der Thataber vereinigte diese Operationslinie in sich alle Vortheile sowohl fürPreussen als für Oesterreich. Indem Friedrich den Krieg damit eröffnete,dass er über Sachsen herfiel, dieses reiche und fruchtbare Land occu-pirte und sich dort festsetzte, konnte er noch reiche Kriegsmittel aus die-sem Lande ziehen, von doriaus über Böhmen gegen Oesterreich ope-riren, und bewahrte er durch Verlegung des Kriegsschauplatzes ausser-halb der Grenzen Preussens sein Land vor den Schrecknissen einer feind-lichen Invasion. Für Oesterreich war die Besetzung Sachsens aus den-selben Gründen und ganz besonders deshalb wichtig, weil es dadurchder Mark Brandenburg und Berlin so nahe gerückt wäre, dass es jeder-zeit gegen die Erblande des Hauses Brandenburg, ja gegen das HerzPreussens selbst erfolgreich zu operiren vermocht hätte. Und im Falledie Operationen über Sachsen misslangen, bot Böhmen, seiner geogra-phischen Lage nach, Oesterreich bedeutende Bequemlichkeiten und Vor-theile zu Defensiv-Operationen.

Auf diese Weise mussten im bevorstehenden Kriege zwischen Preus-sen und Oesterreich die grössten Vortheile auf Seiten desjenigen der bei-den Staaten sein, welcher zuerst von Sachsen Besitz genommen und sichdort festgesetzt hatte. Die Occupation Sachsens musste einen sehr wich-tigen Einfluss auf den weiteren Verlauf des ganzen Krieges ausüben.Daher war denn auch der Plan Friedrich's II. ganz begründet und mitden Umständen in Einklang.

Nicht minder zweckentsprechend ist auch die Art wie Friedrich esverstand, in der Ausführung dieses Planes sich den Erfolg zu sichern.Da nun die Hauptbedingung des Erfolges in der Plötzlichkeit lag, sowurden alle nöthigen Anordnungen und Vorbereitungen zum UeberfallSachsens von Friedrich im Geheimen getroffen und derart ausgeführt,