2. Das Kriegswesen und die Kriegskunst in der Periode von 1740—1792. 51
deckte Weg (letzterer noch durch die Stellung der Pfahlwerke). Die bestevon den in Gebrauch gekommenen Bauarten war die von Dumoulin.
Von den vielen theoretischen Verbesserungen der permanenten For-tification aber fanden nur sehr wenige praktische Anwendung. Monta-lembert brachte den Andern gegenüber am meisten seine Projecte zurAusführung. Von seinen Bauten sind am bemerkenswerthesten die vonihm ausgeführten: das detachirte hölzerne Werk auf der Insel Aix unddie steinernen Forts auf der Bhede von Cherbourg, sowie auch seineFestungslaffetten. die Blendungen vor den Schiessscharten u. a. m. Zuden Theorien, die ohne Anwendung geblieben, gehören die sogenanntenkreisförmigen Systeme, die darauf begründet sind, dass Befestigungen,die im Kreise belegen, keine todten Winkel haben und folglich auchkeiner Flankenvertheidigung bedürfen. '
Die neuen Festungen (Glatz, Brieg, Kosel, Neisse und Glogau inSchlesien u.a.) wurden hauptsächlich nach den Systemen Vauban's undCoehoorn's mit Bastionen erbaut. Die Festung Theresienstadt war vonJoseph II. nach dem Tenaille-System erbaut worden. Und die alten,schwach befestigten Plätze (wie z. B. Breslau) wurden durch Hin-zufügung von nach neuer Art erbauten Aussenwerken u. s. w. verstärkt.
In der Armirung der Festungen wurde in Vielem von den früher an-genommenen Regeln abgewichen. Hinsichtlich dieses Gegenstandes warnichts fest Bestimmtes. Die Armirung der Festungen und die Stärkeihrer Garnisonen waren mehr oder weniger der Grösse und Stärke derFestungen entsprechend. In Folge dessen, sowie in Folge der grösserenoder geringeren Geschicklichkeit sowohl im Angriff wie in der Verthei-digung, liefert der Festungskrieg in dieser Periode zwei sehr sonderbareGegensätze; die stark befestigten niederländischen Plätze wurden un-gemein schwach vertheidigt und hielten sich nur sehr kurze Zeit, wäh-rend die ungleich schwächeren Festungen in Schlesien, Mähren, Hessen-Kassel und in anderen Ländern hartnäckig vertheidigt wurden und sichlange hielten. Im Allgemeinen war aber die mittlere Dauer der Verthei-digung des grössten Theiles der Festungen in Deutschland und Italien25 bis 75 Tage. Nur Gibraltar allein hielt sich drei Jahre lang.
Die französischen Ingenieure erfanden und verbreiteten die Analyseoder Berechnung der Vertheidigungskraft der Festungen, auf welcheCormontaigne die Ausrechnung der relativen Stärke der verschiedenenFestungen basirte. Es versteht sich von selbst, dass diese Regeln nichtganz richtig sein und für unveränderliche und unbedingte gelten konn-ten, weil in dieselben nicht die verschiedenen Umstände aufgenommenwaren , welche auf die grössere oder geringere Dauer der Widerstands-fähigkeit von Einfluss waren.