18 III. Kriege in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
des Staates zu erweitern, denselben stärker und mächtiger zu machen.Indem es nach und nach in alle Schichten der Gesellschaft eindrang, hobes den Militärstand, verband ihn eng mit dem Burgerstande, und indemes Preussen neue Kräfte gab, wurde es eines der thätigsten Werkzeugeder Macht desselben. In demselben ist das Geheimniss des allmäligenAnwachsens der bewaffneten Macht dieses Staates trotz aller Kriege,die derselbe führte, und trotz seiner dünnen Bevölkerung enthalten.
Die Zahl der preussischen, sowohl Feld- als Garnisonstruppen, diesich bei Friedrich's IL Thronbesteigung auf 80,000 Mann belief, wuchsallmälig auf 100,000, 120,000 und endlich auf 200,000 Mann an, —eine für Preussen sehr grosse und der Bevölkerung desselben, welchesogar am Ende der Regierung Friedrich's nicht mehr als 6 Millionen Ein-wohner zählte, nicht entsprechende Zahl. Sehr natürlich, dass die eige-nen Mittel Preusseus nicht hinreichten, um eine so bedeutende bewaffneteMacht zu bilden. In der That wurden schon bei den Vorgängern Fried-rich's II. die Truppen (wie schon oben erwähnt worden ist' mittelst Re-krutirung im eigenen und durch freie Werbung in anderen Ländern zu-sammengebracht. Friedrich IL, der auch die frühere Militär-Organisationdes Staates, seine Canton-Verfassung und die frühere Art der Truppen-Rekrutirung beibehielt, fügte während der schlesischen und des sieben-jährigen Krieges noch die dritte Art der Truppen-Ergänzung hinzu, näm-lich die Einreihung der Ueberläufer und Kriegsgefangenen in das preus-sische Heer. Am Ende seiner Regierung wurden gegen zwei Drittel der200,000 Mann starken preussischen Armee (mehr als 130,000 MannTruppen) durch Rekruten-Aushebung in Preussen und das übrige Drittel(gegen 70,000 Mann) durch freie Werbung aufgebracht. Der grössereTheil der angeworbenen Leute wurde in die Infanterie eingereiht undmachte gegen ein Drittel der letzteren aus, und die übrigen, demnach insehr kleiner Zahl, kamen zur Reiterei und Artillerie.
Auf diese Weise war die preussische Armee aus den allerverschie-densten Theilen zusammengestellt und ein Drittel derselben angeworbenaus Personen verschiedener Nationalität, Sitten, Gebräuche und ver-schiedenen Glaubens, grösstenteils von schlechter Führung, Herum-treibern u.s.w. Ein Bestand solcher Art, zu dem die Notwendigkeit undUmstände zwangen, war einer der wesentlichen Mängel der preussischenArmee und der Hauptgrund der strengen Disciplin in derselben, aber inFolge dessen (wie weiter unten erörtert werden wird) auch die Ursacheihrer ausgezeichneten Organisation.
Dadurch, dass der Militärstand gehoben, demselben Achtung ver-schafft und verschiedene Rechte und Vorzüge bewilligt wurden, warFriedrich IL bemüht, die preussischen Officiere und Soldaten nach Mög-lichkeit lange im Dienste zu erhalten. In der That verliessen diese