IJ. Graf Axel Oxenstjerna, Kanzler von Schweden. 175
es ihm darauf, einen sechsjährigen Waffenstillstand zwischen Schweden undPolen zu schliessen. Als Gustav Adolph in Pommern landete, blieb Oxen-stjerna mit 10,000 Mann schwedischer Truppen in Preussen. Doch als Gu-stav Adolph tiefer in Deutschland eingedrungen war, berief er Oxenstjernazu seinem Beistände. Vor seinem Marsche vom Ehein gegen Baiern und Fran-ken übertrug Gustav Adolph Oxenstjerna alle Civil- und Militärgewalt am Rheinund bestimmte ihm Mainz zum Aufenthaltsort.
Von hier aus stiess er mit den von ihm gesammelten Truppen 1632 in Süd-deutschland zu Gustav Adolph, von dem er sich nun bis zu seinem bei Lützenerfolgten Tode nicht mehr trennte. Den Leichnam des Königs geleitete ernach Weissenfeis, übergab ihn dort der verwittweten Königin, worauf er selbstin Deutschland, mit der unumschränktesten Vollmacht von den schwedischenReichsständen versehen, blieb, um alle politischen und militärischen Angelegen-heiten an Stelle des dahingeschiedenen Königs zum Wohle Schwedens undDeutschlands zu leiten. Demzufolge knüpfte er mit mehreren Fürsten Deutsch-lands Unterhandlungen an, sammelte eine bedeutende Truppenzahl zur Auf-rechterhaltung der Interessen Schwedens und seiner Verbündeten, besuchte dieHöfe zu Dresden und Berlin und berief einen Congress nach Heilbronn, aufdem er als Haupt des protestantischen Bundes anerkannt wurde. Der Neid,besonders Frankreichs, war nicht im Stande ihm Schranken zu setzen; erbegab sich nach Frankreich und Holland, um diese Staaten für die Sache derProtestanten zu gewinnen. Bei seiner Rückkehr nach Sachsen fand er jedochzu seinem grössten Leidwesen Alles in der ärgsten Unordnung. Die Verbün-deten wankten, das Heer war unzufrieden und hatte seine frühere Disciplinverloren, fast Alle hatten nach dem unglücklichen Ausgange der Schlacht beiNördlingen den Muth sinken lassen, und der Kurfürst von Sachsen war offenauf die Seite des Kaisers getreten. Doch selbst in diesen schwierigen Verhält-nissen war es sein hoher Genius, der ihm half die Protestanten Deutschlandsvom gänzlichen Verderben zu retten. Nachdem er ihre Angelegenheiten ge-ordnet und sichergestellt, kehrte er 1636 nach zehnjähriger Abwesenheit nachSchweden zurück. Sich nach einer ruhigen Thätigkeit sehnend, gab er dieihm verliehene Vollmacht zurück und übernahm seine Stelle im Senat als Kanzlerund als einer der fünf Vormünder der Königin. Die grösste Sorgfalt verwen-dete er nun darauf, die Königin Christina in alle Staatsgeschäfte einzuweihen.Von dem Wunsche beseelt, dem Kriege in Deutschland einen glücklichen Aus-gang zu geben, bestimmte er seinen Sohn Johann als Bevollmächtigten dahin.Einen regen Antheil nahm er 1645 an den Verhandlungen mit Dänemark zuBrömsebro; von da zurückgekehrt, wurde er von der Königin in den Grafen-stand erhoben und von der Universität Upsala zu deren Kanzler erwählt, welchesAmt er mit dem grössten Eifer bekleidete. Als die Königin Christina ihreAbsicht erklärte, sich einen Nachfolger zu ernennen und darauf dem Thronezu entsagen, widersetzte sich Oxenstjerna dem mit aller Kraft; doch als er