I. Gustav II. Adolph, König von Schweden. (Sein Tod.) 159
sind aber darin mehr oder weniger übereinstimmend, dass nach der erstenWunde am Arm und der zweiten durch den Rücken der sterbende König, aufder Erde liegend, in der Zeit, als die schwedischen Truppen zurückwichen unddie feindlichen vorrückten, von den letzteren gänzlich getödtet und bis aufsHemd ausgeplündert worden ist. Die Einen sagen, dass es namentlich dieKürassiere gewesen, die an den Herzog von Sachsen-Lauenburg herangesprengtwaren, Andere, dass einer der Feinde den König gefragt hätte, wer er sei, undnachdem er die Antwort vernommen »Ich bin der König von Schweden«, ihnhabe gefangen nehmen wollen; als er aber die heransprengende schwedischeReiterei bemerkt, wahrscheinlich wohl gedacht: »wenn nicht ich, so sollt ihrihn auch nicht haben« — und durch einen Pistolenschuss dem Könige den Kopfzerschmettert habe.....
So oder anders, soviel steht fest, dass Gustav Adolph nach bereits vorher-gegangener zweimaliger Verwundung gänzlich getödtet worden ist. Wo undwann namentlich, wird weiter unten erklärt werden. Die Kunde vom Tode desKönigs verbreitete sich zuerst unter den schwedischen Truppen im ersten Treffendes Centrums und des rechten Flügels und drang von dort aus in das zweiteTreffen des Centrums, aus welchem zwei Brigaden zur Verstärkung der erstenSchlachtlinie vorrückten. Der Commandirende des zweiten Treffens, Feldmar-schall Kniphausen, sandte diese Trauerbotschaft sofort an den Herzog Bernhardvon Sachsen-Weimar, der unterdessen den rechten Flügel der feindlichen Armeein Fronte und rechter Flanke angegriffen nnd folglich sich ziemlich weit vomCentrum der schwedischen Armee entfernt hatte. Der Herzog Bernhard, ingrosser Besorgniss, dass die Kunde vom Tode des Königs Unordnung im Cen-trum und auf dem rechten Flügel hervorbringen und den schon zur Hälfte er-fochtenen Sieg der Schweden aufhalten könne, übergab sogleich das Commandoüber den linken Flügel dem Grafen Brahe und sprengte selbst mit zwei Kürassier-regimenteru (dem anhaltischen und löwensteinischen) zum Centrum, das jenseitsder Landstrasse, hinter dem ausspringenden Winkel derselben, im Gefechtestand. Dort, erzählt man (und das ist sehr glaubwürdig), soll der Herzog Bern-hard, der schon die Einzelheiten über die Verwundung und den Tod des Königsbei dem zweiten Angriffe an der Spitze des smäländischen Regiments, das durchdie Schuld seines Commandeurs gezögert und den Kopf verloren, erfahren hatte,gerade auf den Obristlieutenant zugeritten sein und ihn mit den Worten: »Sietragen die Schuld an dem Tode des Königs« in höchster Aufregung niederge-stochen haben. Nachdem der Herzog (wie es scheint, nach vorhergängigerUebereinkunft mit dem König und den Generalen) das Obercommando über dieArmee übernommen hatte, feuerte er durch seine Anwesenheit die Truppen an,den Tod ihres Königs zu rächen und seinen Leichnam den Händen des Feindeszu entreissen, traf die nöthigen Anordnungen und führte persönlich die frischenBrigaden der zweiten Linie in den Kampf.
Dieser neue, dritte Angriff der Schweden war so überwältigend, dass die