Druckschrift 
Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 1 (1874) Kriege der I. Hälfte des XVII. Jahrhunderts, der Dreissigjährige Krieg : 1618 - 1648
Entstehung
Seite
97
Einzelbild herunterladen
 

5. Zweite Periode des dreissigjährigen Krieges (16301634). 97

ausgezeichneten persönlichen Eigenschaften mehr als jeder Andere be-fähigt war, diese wichtigen und schweren Aufgaben zu erfüllen. Beialledem konnte Oxenstjerna Gustav Adolph nicht ersetzen, die stol-zen Fürsten Deutschlands wollten sich ihm nicht unterordnen, undviele Mühe kostete es Frankreich, sie zur Aufrechterhaltung des bereitsdem Verfalle nahen Bundes zu bewegen und die Verwaltung der poli-tischen Angelegenheiten und des Krieges Oxenstjerna anzuvertrauen.Die Folge davon war, dass der Krieg noch im Laufe zweier Jahrevon den Schweden und Protestanten in demselben Geiste fortgeführtwurde, wie zu Gustav Adolph's Zeit. JEs wurde festgestellt, so wie auchfrüher die Hauptmacht der schwedischen Armee unter dem Befehle desHerzogs Bernhard von Sachsen-Weimar in Süddeutschland einrücken zulassen und nach ihrer Vereinigung mit den von Gustav Adolph in Baierngelassenen Truppen in Baiern und Oberösterreich das Donauthal entlangzu operiren. EinTheil des schwedischen Heeres zusammen mit den säch-sischen und brandenburgischen Truppen sollte in Böhmen und Schlesienoperiren, ein anderer Theil des schwedischen Heeres mit den hessischenund den Truppen des niedersächsischen Kreises inWestphalen und Nord-deutschland. Der Winter von 1632 auf 1633 wurde zu den hierzu nöthigenMassregeln, zur Organisation der Armeen und Absendung nach ihremBestimmungsort etc. benutzt. Zu derselben Zeit wurden auch seitens desKaisers und der Katholiken thätige Anstalten zur Fortsetzung des Kriegesgetroffen: der Kaiser hoffte durch Krieg grössere Vortheile zu erlangenals durch Frieden. Die Armee Wallenstein's in Böhmen musste allerdingsfast ganz von Neuem angeworben und organisirt werden, die bairischeArmee aber hatte sich bedeutend durch spanische und lothringischeTruppen verstärkt.

§.48.Operationen in West- und Süddeutsenland im Jahre 1633.Im Frühjahre 1633 begannen die Kriegsoperationen sehr energischseitens der Protestanten und höchst lässig seitens der Katholiken. DieSchweden und Protestanten bemächtigten sich in Wcstphalen vieler Fe-stungen und Städte an der Weser und schlugen bei Oldendorf (in Hessen)eine 15,000 Mann starke kaiserliche Armee unter dem Commando Grons-feld's und des Grafen Merode. Unterdessen marschirte der Herzog Bern-hard von Sachsen-Weimar aus Sachsen über Franken, schlug eine kaiser-liche Heeresabtheilung unter dem Befehl von Werth's und vereinigte sichin Donauwörth mit den von den Baiern aus Baiern verdrängten TruppenBaner's. In Donauwörth entstand unter den schwedischen Truppen einAufruhr, eine zu Gustav Adolph's Zeiten unerhörte Erscheinung. DerHerzog Bernhard vermochte aber die Truppen zu zügeln und rückte

Galitzin, Allgem. Kriegsgeschichte. III, 1. 7