2. Erste Periode des dreissigjährigen Krieges (1618—1630). 49
unterbrochen mit Einheit und Energie auf ein allgemeines Ziel zu richten.Auch die Feldherren, denen die kaiserlichen und katholischen Truppenanvertraut waren: der Herzog von Baiern, Tilly und Wallenstein, han-delten in demselben Geiste. Das Gemeinschaftliche der Anstrengungen,die Einheit, Entschiedenheit und Kunst in ihren Operationen entschiedenden Krieg in Böhmen, in der oberen und unteren Pfalz und unterwarfendiese Länder der kaiserlichen Macht. Sie waren die Ursache der Nieder-lagen des Prinzen von Braunschweig und des Markgrafen von Baden-Durlach am Rhein und Neckar und der Entfernung Mansfeld's in die Nie-derlande. Sie hielten später den Marsch des Königs von Dänemark nachThüringen auf und zwangen ihn, zuerst nach Holstein, dann nach Jütlandund auf die dänischen Inseln sich zurückzuziehen. Schliesslich trugensie dazu bei, der Macht des Kaisers Norddeutschland und die Ufer derOstsee zu unterwerfen, und erwiesen sich als unzulänglich nur gegen dievereinten Anstrengungen der nördlichen Seemächte und freien Hanse-städte, die eine starke Flotte hatten und das Meer beherrschten. AlleAnstrengungen des Kaisers aber, eine Flotte herzustellen und des Meeressich zu bemächtigen, blieben fruchtlos.
Von den Operationen der kaiserlichen und katholischen Feldherrenund Truppen sind besonders bemerkenswerth: 1) der Marsch des Herzogsvon Baiern gegen Böhmen und Prag, der, mit vereinten Kräften und Ent-schlossenheit ausgeführt, in einer Schlacht den Krieg in Böhmen ent-schied ; 2) die gemeinschaftlichen Operationen Tilly's und der spanischenTruppen am Main und Rhein gegen 60,000 Mann des Prinzen von Braun-schweig, des Markgrafen von Baden-Durlack und Mansfeld's, die jederfür sich, von drei verschiedenen Seiten her, operirten; 3) die OperationenTilly's an der Weser gegen den König von Dänemark, die mit der Nieder-lage des letztern bei Lutter am Barenberge und 'seinem Rückzuge zuruntern Elbe hin ihren Abschluss fanden; endlich 4) die OperationenTilly's und dann Wallenstein's von der Fronte aus und hauptsächlichgegen die Verbindungen des Königs von Dänemark, die schliesslich denletztern zwangen, sich gänzlich nach Dänemark zurückzuziehen, währendunterdessen Theile ihrer Streitkräfte Mecklenburg, Pommern und dieUfer der Ostsee unterwarfen. Nur allein der Marsch Wallenstein's mitseiner ganzen Armee aus Sachsen nach Ungarn, die HeeresabtheilungMansfeld's verfolgend, erscheint nicht gerechtfertigt, weil der Hauptzweckder Operationen untergeordneten Nebenzwecken geopfert wurde.
Von den Operationen der Protestanten zeichnen sich durch ihre Kunstsehr wenige aus. So war der zweimalige Marsch Thurn's gegen Wien sehrgeschickt combinirt, aber langsam und unentschlossen ausgeführt, undbrachte gar keinen Vortheil. Der Marsch Mansfeld's nach Dessau und vondort nach Ungarn ist dadurch bemerkenswerth, dass er Wallenstein vom
Galitzin, Allgem. Kriegsgeschichte. III, 1. 4