Druckschrift 
Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 1 (1874) Kriege der I. Hälfte des XVII. Jahrhunderts, der Dreissigjährige Krieg : 1618 - 1648
Entstehung
Seite
34
Einzelbild herunterladen
 

"34 I- Dreissijcjähriger Krieg.

dem mächtigsten der katholischen Fürsten nach ihm, dem HerzogMaximilian von Baiern, an. Im folgenden Jahre, 1611, bestieg derErzherzog Matthias den Thron des Reiches. Den Einflüsterungen derJesuiten folgend, begann er eine neue sehr starke Verfolgung der pro-testantischen Bewohner in den Landen des Hauses Oesterreich: Mäh-ren, Schlesien, Lausitz, Oberösterreich und besonders in Böhmen. Indiesem letzten Lande, wo schon im 15. Jahrhundert Johann Huss undseine Anhänger eine neue Glaubenslehre verbreitet, hatte seit der Re-formation die Zahl der Protestanten sich fortwährend vergrössert. DieUrsache davon war der Hass gegen die Katholiken und besonders gegendas Haus Oesterreich, welches letztere unterstützte, die Protestantengrausam verfolgte und stets darnach strebte, das unbeschränkte Erfolge-recht der Krone Böhmen an sich zu reissen. Bald darauf hatte ein an-fänglich geringfügiger Umstand ungemein wichtige Folgen. Die böh-mischen Protestanten,- gestützt auf den ihnen von Rudoph II. ver-liehenen Majestätsbrief, erbauten ihre Kirchen, unter andern auchauf den Ländereien zweier katholischer geistlicher Fürsten. DieseKirchen wurden von letztern zerstört und der Kaiser entschied dieseSache zu Gunsten der Katholiken. Da standen die Böhmen, angeregtdurch den Grafen Thurn, einen eifrigen Vertheidiger des Protestan-tismus und der politischen Unabhängigkeit Böhmens und einen un-versöhnlichen Feind des Kaisers und des Hauses Oesterreich, offenin Prag auf (23. Mai 1618), stürzten die kaiserliche Regierung, ver-trieben die Jesuiten, setzten eine temporäre Verwaltung ein und be-gannen sich zu bewaffnen. Bald war ganz Böhmen in vollem Auf-stande; dem Beispiele der Böhmen folgend, wurden auch die Pro-testanten in Mähren, Schlesien, Lausitz und Oberösterreich aufrühre-risch und schickten sich an. sich zu empören. Massregeln der Mildewaren schon nicht mehr im Stande die Böhmen zu beschwichtigen, undder Kaiser war gezwungen zu den Waffen zu greifen. Die Umständebegünstigten die Böhmen ungemein. Alle Vortheile waren auf ihrerSeite. Der Kaiser befand sich in der allerschwierigsten Lage: ausserdem Aufstande der Böhmen und den Unruhen unter den EinwohnernWiens drohten die Ungarn gänzlich vom Hause Oesterreich abzufallen,die Staatsfinanzen waren zerrüttet, aber hauptsächlich es war wenigMilitär da und dasselbe befand sich im Westen oder Süden oder warin entfernten Garnisonen zerstreut. Die Böhmen hingegen begannenohne Aufschub alle Einwohner Mann für Mann im Alter von über 20Jahren zu bewaffnen und hatten baldigst ein Heer von 30,000 Mann zu-sammen, und besetzten mit ihren Garnisonen alle Städte Böhmens, mitAusnahme von Pilsen. BudweisundKrummau, die dem Kaiser treu blieben.Ausserdem wurden sie noch von Aussen durch Truppen verstärkt. Zur