2. Erste Periode des dreissigjährigen Krieges (1618—1630). 33
sammengesetzt r stand in 10 Reichsdistrikten unter allgemeiner Verwaltungder deutschen Fürstenversammlung, deren Haupt sowie des ganzen Rei-ches der Kaiser, dem Erbrechte nach aus dem Hause Oesterreich war.Schien es durch diese allgemeine politische Einrichtung, allgemeine Ver-waltung als in ein Ganzes vereint, so war es dennoch durch die Verschieden-heit der Völker, Ansichten, Impulse, Vortheile und besonders durch dieGlaubensverschiedenheit aufs Aeusserste zerstückelt. Der ganze nördlicheund südwestliche Theil des Reiches war protestantisch, der südliche undwestliche aber katholisch. Bei solch einer Zerstückelung, bei gänzlichemMangel an Einheit, Eintracht, Entschlossenheit und Mangel an Operations-kunst der Protestanten, die von untüchtigen Führern geleitet wurden, hätteder mächtige KarlV., auf dessen Seite die Vortheile einer grössern Einheit,Entschlossenheit und Fertigkeit in der Ausübung politischer Handlungen,als auch einer grössern Kriegskunst waren, beinahe sein Ziel erreicht.Aber das Glück verliess ihn, — und vom Alter und körperlichen Leiden ge-beugt, hinterliess er seinen Nachfolgern die Ausführung seiner umfassen-den ehrgeizigen Pläne. Aber nicht so bald konnten sie ausgeführt werden.Seine schwachen, sorglosen und friedliebenden Nachfolger Ferdinand L,Maximilian IL und Rudolph IL Hessen seine Politik ruhen und daher wurdeim Laufe von 56 Jahren ihrer Regierung die Ruhe Deutschlands nicht ge-stört, wenigstens nicht durch einen allgemeinen Krieg. Aber die durchden Passauer Frieden den Protestanten gewährten Vorrechte vergrössertenden gegenseitigen Hass zwischen ihnen und den Katholiken, und beideParteien standen sich um so feindseliger gegenüber. Diese Feindselig-keit führte endlich im Jahre 1610 zur Herstellung eines Bündnisses,das die Protestanten unter sich in Halle schlössen. An der Spitze desBündnisses, als Haupt desselben, stand der Kurfürst Friedrich von derPfalz (Palatin); Theilnehmer desselben aber waren: der Landgraf vonHessen-Kassel, einer der eifrigsten Beschützer des Protestantismus, derHerzog von Würtemberg, der Markgraf von Baden-Durlach, der Pfalz-graf von Neuburg und viele freie Städte. Von den übrigen protestan-tischen Fürsten betheiligten sich nicht am Bunde: der Kurfürst vonSachsen und der Landgraf von Hessen-Darmstadt, der erste weil ermehr Vortheile vom Kaiser zu erlangen hoffte, und der zweite, weil eroffen auf der Seite des Letztern war; der Kurfürst von Brandenburgaber und die Herzöge von Mecklenburg, Pommern und Braunschweig-Lüneburg blieben neutral. Gleich darauf, noch in demselben Jahre 1610bildete auch ein grosser Theil der katholischen Fürsten Süddcutschlands,sowie derer vom Main und Niederrhein unter sich einen Bund zu Würz-burg. Der Kaiser Rudolph IL, wenngleich Haupt des Reiches und deskatholischen Deutschlands, betheiligte sich aber nicht am Bunde, unddie Katholiken vertrauten ihre ganze Kriegsmacht und alle ihre Mittel
Galitzin, Allgem. Kriegsgeschichte. III, 1. 3