Einleitung. 7
schauung Förster's, die grösstenteils auf die früher allgemeine, jetzt (?) gänzlichveraltete Anschauungsweise (d. h. eine günstige für die Protestanten und ungünstigefür die Katholiken) begründet ist, unberücksichtigt zu lassen.
*70 Menzel: Deutsche Geschichte, — das einzige von allen Werken der all-gemeinen Geschichte, nach der Meinung Keym's, das die Zeitperiode des 30jährigenKrieges richtig abschätzt und in welchem die Anschauung des Autors volle An-erkennung verdient, wenn gleich einige seiner Urtheile jetzt schon einigermassenveraltet sind.
*T1) Franz Keyin: Geschichte.des dreissigjährigen Krieges, nach den Re-sultaten der neuern Forschungen, 2 Bände in 6", Freiburg im Breisgau, 1803—1804.In seiner Vorrede sagt der Autor, dass »die Geschichte des 30jährigen Krieges ganze200 Jalire lang einseitig — nur allein von dem protestantischen Gesichtspunkte aus,geprüft und erklärt worden; als aber in neuester Zeit (d. h. von den 1850 er Jahrenan) die gegnerische (d. i. katholische) Partei tiefer diese Zeitperiode zu erforschenbegann, so musste alles Alte, das 200jährige Gebäude, das kein festes Fundamentgehabt haben soll, zusammenstürzen und stürzte wirklich zusammen (!). Kaum istein Jahrzehnt vergangen (1850—1860) und schon ist die Anschauungsweise auf dieseZeitperiode eine ganz andere, alles, was 200 Jahre lang für wahr und richtig aner-kannt worden, stellt sich jetzt mit jedem Tage mehr als verunstaltet und falschausgelegt heraus« (eine sehr kühne Behauptung seitens der Katholiken). Weiter sagtKeym, es sei nicht ganz richtig, von dem protestantischen und katholischen d. i.Religionsgesichtspunkte zu sprechen, und fügt hinzu, dass seine Aufgabe seinwird, dem 30jährigen Kriege die demselben zukommende rein politische Bedeutunganzueignen, d. h. Anschauungen, nicht protestantische und nicht katholische, son-dern nationale (allgemeingermanische, folglich damals — Reichs-, kaiserliche unddaher katholische) und antiuationale (d. h. damals gegen die Einigung des Reiches,die eine Zerstückelung desselben beabsichtigten, folglich protestantische), daher —behauptet Keym — dass der Kaiser und die katholischen Herrscher Deutschlandsfür die Erhaltung und Einigkeit des deutschen Reiches gekämpft, Gustav Adolph(den Keym nicht anders als »Der Schwede« nennt/, die Schweden und die germanischenProtestanten aber darnach getrachtet und sich bemüht hätten, das heHige römischeReich zu zerstören (sowie im V. Jahrhundert die nordischen Barbaren — Roml).Dieses ist wohl genügend, um jeden Nichtkatholiken zu überzeugen, dass Keym'sBeurtheilungen dieser Art nicht auf einer gesunden nationalen Logik, sondern aufder allen Nichtkatholiken bekannten jesuitischen Casuistik fussen — und daher ist esüberflüssig, sich noch weiter darüber auszulassen. Da nun «aber aus verschiedenenMeinungen die Wahrheit hervorgeht, so versteht sich von selbst, können die For-schungen Keym's und anderer neuerer katholischer Historiker im Interesse der ge-schichtlichen Wahrheit, wenn auch nicht zur Uebereinstimmung, die unmöglich ist,so doch zur Aufklärung vieles bis jetzt noch nicht vollständig Erläuterten führen.Hier war es nicht für nutzlos erachtet, ausführlicher auf Keym's Werk und anderekatholische Schriftsteller (auf welche er hindeutet und über welche seine Aeusse-rungen oben angegeben sind) aufmerksam zu machen, um verstehen zu können,in welchem Sinne die Worte: »Resultate der neuesten Forschungen«, aufzufassensind. Sie tangiren gar nicht die Kriegsgeschichte des 30jährigen Krieges, sondernnur die politische — nach Keym's Dafürhalten, aber die rein katholische — nachUeberzeugung der Nichtkatholiken.
72) Janssen: Gustav Adolph in Deutschland, Frankfurt a.M., 1865. Broschürevon 32 Seiten in 80, welche Gustav Adolph als einen ehrgeizigen Eroberer, einen