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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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Kriege der Don- und Dnjepr-Kasaken. 707

waltet durch besondere königliche Statthalter aus den russischen fürst-lichen Nachkommen des heiligen Wladimir. Der Letzte von diesenwar Simeon Oleljkowitsch, nach dessen Tode im Jahre 1471 derpolnische König Kasimir IV. in Kiew, der Hauptstadt von Klein-Kussland, nicht einen Fürsten, sondern einen Wojewoden einsetzte; imJahre 1472 theilte er Klein-Russland in vier Wojewodschaften: diePodolische, Bjälsker, Russische (Galitscher) und Kiewsche. In derFolge wurde es eingetheilt in die Wojewodschaften von Brazlaw, Kiew,Volhynien und Tschernigow, das den Namen »Sjäversches Herzogthum«(Severiae ducatus) führte.

Seit der Zeit der Vereinigung Klein-Russlands mit Lithauen undPolen nahmen die 'kleinrussischen Kasaken an allen Kriegen dieserLänder Theil: im Norden gegen den deutschen und livonischen Orden, im Osten gegen Gross-Russland, im Süden gegen Tataren und Türken.Unter den Hetman-Heerführern leistete W e n z e s 1 a w-S wjätoldowitschdem Jagailo und Witoft grosse Dienste in zwei Kriegen mit denRitter-Orden. In dem einen derselben, 1401, der die Rückgabe desDobrinschen Landes an Polen und die Abtretung des Schmudischen andie Ritter zur Folge hatte, führte Wenzeslaw 3700 Kasaken vor Düna-burg. Ihre Wojewoden waren Ostroget und Olgowitsch, ihreObersten Rogdai, Polelitsch, Gromwal, Koljaditsch undKupaldji. Das kleinrussische Fussvolk unter Rogdai's Befehlmachte eine Umgehung zu dem niedrig gelegenen Düna-Ufer und griffdie Ritter in Flanke und Rücken an, was Ursache wurde zu einemsolchen Siege, dass die Ritter nach polnischen Angaben (die sehr über-trieben scheinen) einen Verlust von fast 50000 Todten und Gefangenenerlitten hätten. In dem anderen Kriege gegen die Ritter im Jahre 1410befanden sich unter Witoft's Führung abermals Kasaken. In derSchlacht zwischen Tannenberg und Grünewald bildeten sie mit denLithauern zusammen den rechten Flügel des Heeres, gingen zuerst gegenden linken Flügel der Ritter vor, wären aber in Folge der Langsamkeitdes Centrums fast aufgerieben worden: schon begannen sie in Unord-nung zurückzugehen, als die Polen ihren Fehler wieder gut machten,indem sie schnell auf den durch Wegnahme der Reiterei geschwächtenrechten Flügel der Ritter losgingen und ihn zurückdrängten. DasReserve-Corps der Ritter stellte indessen das Gleichgewicht im Kampfewieder her, Kasaken und Lithauer wurden zurückgeworfen; die Ersterenhielt Witoft fest, die Anderen vermochte er jedoch nicht zum Stehenzu bringen, erfocht aber schliesslich doch ohne sie den Sieg. Nachpolnischen Nachrichten (die gleichfalls übertrieben scheinen) geriethen14000 Ritter in Gefangenschaft und 50000 bedeckten die Wahlstatt,darunter viele Comthure und der Hochmeister Jüngingen selbst.