Bemerkenswertheste Kriege und Feldziige. 633
geheimen Einverständniss mit ihm, beobachtete den Prätendenten undunterstützte ihn sogar, um dessen endlichen Untergang noch aufzu-schieben und damit die Unruhen in Kussland im Gange zu halten, welchefür die Ausführung von Sigismund's Plänen vortheilhaft waren.
Dieser arglistigen Politik verdankte der Usurpator seine Rettungwährend der Zeit der sich in Kaluga gegen ihn anzettelnden Verschwö-rung. Ueberzengt, dass er ihren Geldforderungen nicht genügen könneoder wolle, hatten die Polen Sholkjäwski benachrichtigt, dass siebereit seien, den Prätendenten zu ermorden und Kaluga an den Königzu übergeben, wenn dieser seine Einwilligung gebe. Aber diese Einwil-ligung erlangten sie nicht, was jedoch die Polen nicht hinderte, mit Ge-walt der Waffen die den Prätendenten noch unterworfenen SjäverskerStädte weg zu nehmen. 7000 donsche Kasaken zogen in zwei Corps aufSmolensk dem königlichen Heere zu Hülfe. Sigismund aber, der über-legt hatte, dass sie ihm bei der Belagerung von Smolensk mehr schadenals nützen würden, gab ihnen zwei polnische Anführer und befahl ihnenin die Sjäversker Provinz zu gehen. Das erste Corps erschien am 5. Märzunerwartet vor Starodub und besetzte dessen Vorstadt. Die Bewohneraber vertheidigten sich hartnäckig in der Verpallissadirung vor der Burgbis die Saporoger die ganze Umzäunung und die Burg selbst anzündeten,die Thore erbrachen und 16 Kanonen nebst einigen Russen herausholten,von denen sie die vornehmsten an den König schickten. Das andere Corpszog am 15. März gedeckt gegen Potschep, griff die Burg mit stürmenderHand an . setzte die Mauern in Brand und zwang die Besatzung sich zuergeben, wobei, einigen Nachrichten zu Folge, 4000 Bewohner ums Lebenkamen. Am 21. März rückte das erste Corps aus Starodub nach Now-gorod-Sjäverski, dessen prätendentischerWojewode Fürst Borjatinskimit den Bewohnern der Stadt sich auf die Bedingung ergaben, dass sieund ihre Habe unangetastet bleiben sollten, und Wladislaw huldigten.Tschernigow's bemächtigte sich der Kiewsche Wojewode Gornostaimit allerlei von ihm zusammengebrachtem Gesindel. Die andern Polengriffen mit den Saporogern Mossalsk an , erstürmten, plünderten es undHessen es in Flammen aufgehen, die Bewohner wurden niedergemacht.Wichtiger als Alles aber war für Sigismund die Unterwerfung vonBjelaja, welches Gonssjäwski nach sechsmonatlicher enger Ein-schliessung am 3. April endlich zu capituliren und Wladislaw zuschwören zwang.
Indessen entschädigte die Unterwerfung der Sjäversker Städte undselbst von Bjelaja Sigismund nicht für die vergebene Hoffnung aufdie Mitwirkung des Tuschinoer Heeres und auf die baldige Wegnahmevon Smolensk. Nicht ohne Beunruhigung sah er der Eröffnung derFeindseligkeiten im Frühjahr durch Skopin entgegen, denn nach der