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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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Bemerkenswertheste Kriege und Feldzüge. 613

losen Tromczewski und zerstreuten sein Corps, von welchem 100Mann im Scherna-Fluss ertranken. Dabei aber wurde Somme leider soschwer verwundet, dass er zu seiner Heilung nach Wyborg zurückmusste. Auf die Meldung von der Verjagung der Polen aus der Slobodaund der Befestigung dieses Dorfes durch eine Schanze zog Skopin am20. Oktober mit seiner Hauptmacht dorthin.

Obgleich von da der Weg nach Moskau ihm offen stand, so wäredoch durch sein Eintreffen dort nur die Zahl der Truppen und die Schwie-rigkeit ihrer Verpflegung vermehrt worden, während an Ersteren für dieVertheidigung genug, zu verpflegen aber schon zu viele waren. Wich-tiger war es die feindlichen Heere zu zerstreuen, welche die Zuzüge vonProviant aus den umliegenden Städten verhinderten. Dazu aber glaubteSkopin sich noch nicht stark genug, und so beschloss er in dem Dorfedas Eintreffen Scheremetjef's und der Verstärkungen aus Schwedenabzuwarten, ohne jedoch inzwischen auf möglichste Hülfe für Moskauund das Troizko-Kloster zu verzichten. Zu Letzterem hatte er bereitsSherebzow mit 900 Ratniki entsendet, welcher heimlich durch die feind-liche Aufstellung passirte und in der Nacht vom tl. zum 12. Oktoberins Kloster gelangte. Aber hochfahrend und herrschsüchtig schob erJoassaph und die Wojewoden bei Seite und begann eigenmächtig zudisponiren, ohne auf den Rath der Leute zu hören, welche in der Ver-theidigung des Klosters bereits Erfahrungen gesammelt hatten. So hattendiese vor seinem Eintreffen bereits die Erfahrung gemacht, dass ihreAusfälle mit bedeutenden Kräften immer auf überlegene Kräfte stiessenund zurückgewiesen wurden, und deshalb nur noch 2—5 Mann ausge-schickt, welche sich hinter Bäumen und im Grase verdeckt vorschlichen,ihren Auftrag meist erfolgreich ausführten und ohne Schaden zurück-kehrten. Sherebzow aber verbot diese Patrouillen, erklärte, dass jetztdie Möglichkeit gegeben sei Ausfälle mit genügenden Ratniki und offenerGewalt zu machen, und brach am 19. Oktober mit seiner ganzen herbei-geführten Abtheilung gegen das Lager der Kasaken vor. Er wurde abermit grossem Verluste zurückgeschlagen und würde vollkommen geschla-gen worden sein, wenn nicht die Vertheidiger des Klosters aus freienStücken herausgestürzt wären, ihn herausgehauen und den Feind aufge-halten hätten. Dieser Misserfolg mässigte Sherebzow's Hochmuth undfortan widersetzte er sich nicht länger den Maassnahmen und Anord-nungen der früheren Leiter der Vertheidigung.

Die Lage von Moskau wurde indessen von Tage zu Tage gefähr-licher. Die Bewohner, welche nicht sahen, dass Skopin sich näherte,den sie so lange schon erwarteten, drohten Wassilji nach Tuschino zugehen, wenn der Preis des Korns, der bereits wieder auf sieben Rubelgestiegen war, nicht herabgesetzt werde. Zum Glück beruhigte die An-

Galitzin, Allgem. Kriegsgeschichte II. 2. 40