Druckschrift 
Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
Entstehung
Seite
597
Einzelbild herunterladen
 

Bemerkenswertheste Kriege und Feldzüge. 597

einmal gegen die Mauern stürzen. Aber die eigenwilligen und ungehor-samen Polen befolgten diese Anweisung durchaus nicht, im Gegentheilhandelte Jeder nach eigenem Ermessen, woraus natürlich statt der Ord-nung nur Unordnung und Mangel an Einheit und Uebereinstimmung sichergab. Und obschon im Kloster nicht über 200 kampffähige Vertheidigerwaren, so wehrte doch dieses Häuflein Tapferer die Anstürmenden ohnebesondere Anstrengung ab, sodass der ganze Verlust der Belagerten ineinem einzigen Weibe bestand, das auf der Mauer den Tod fand,und sonst nicht ein Todter oder Verwundeter war. Der Feind hin-gegen hatte grosse Verluste erlitten, besonders Zborowski's Truppen,welche mehr als die andern darauf erpicht gewesen waren, den Korbzu nehmen, und da sie es nicht vermocht hatten, nun ihrerseits den Spöt-tereien Sapieha's und Lissowski's ausgesetzt waren.

Das Misslingen auch dieses dritten grossen Sturmes (der erste hatteam 14. Oktober 1608, der zweite am 27. Mai 1609 stattgefunden) ver-setzte die polnischen Wojewoden in solche Niedergeschlagenheit, dasssie schon ganz bereit waren, die Belagerung aufzuheben, und nur weilsie die Verantwortung für den Rückzug nicht auf sich zu nehmen wagten,beriefen sie am 30. Juli abermals einen Kolo. In diesem gewann derpolnische Hochmuth wieder die Oberhand: es wurde beschlossen, nichtvom Kloster fortzugehen, sondern nur die erforderlichen Maassregeln zurAbwehr Skopin's zu ergreifen, falls dieser die Belagerer anzugreifenMiene machen sollte.

Skopin hatte inzwischen seinen Marsch auf das Koljasiner Klosterfortgesetzt, welches er beinah schon inMikulinski's Gewalt gefundenhätte. Letzterer war, noch auf dem linken Wolga-Ufer, auf die Nach-richt von Skopin's Maisch zum Koljasiner Kloster, schnell aufgebrochen,um vor Jenem dort einzutreffen, da er aber seinen Zug nicht hatte ver-heimlichen können, so schickte Skopin 2000 Mann Strelitzen voraus,welche dem Feinde zuvorkamen. Mikulinski, der dies nicht wusste,ging gleich zum Sturm vor, wurde aber abgewiesen und zog sich mitSchimpf zurück. Skopin selbst traf am 24. Juli in Koljasin ein und bliebdaselbst, um die Ankunft von Wyscheslawzew und Sherebzow ab-zuwarten, welche sich auch bald mit ihm vereinigten.

Auch Adadur ow's Auftrag blieb nicht ohne Erfolg: Delagardiewilligte auf Ada dur ow's Anliegen darin ein, nicht über Twer hinaus-zugehen, bevor er sich nicht mit Skopin und dem Zaren selbst bezüg-lich der Geldzahlung und der Abtretung von Korelja auseinandergesetzthabe. Er ging sogar darauf ein, sofort 250 Mann Fussvolk und 720 Rei-ter unter Somme's Befehl nach Koljasin zu schicken, welchem er zu-gleich den Auftrag ertheilte, mit Skopin hinsichtlich der Befriedigung

Galitzin, AUgem. Kriegsgeschichte II. 2. 39