538 HI. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.
Ratniki in Moskau war, nach Kaluga und Übertrug den Oberbefehl überdas Belagerungsheer den Bojaren Fürsten Mstislawski, Skopin-Schuiski und Tatjew.
Es lag dem Wassilji umsomehr daran, die Niederwerfung desAufruhrs zu beschleunigen, als Nachrichten aus Polen einliefen, dassSigismund und die ganze Rjätsch Pospolitaja über die Ermordung dermit dem Usurpator in Moskau gewesenen Polen sehr aufgebracht sei.Trotz der gegenseitigen Beschwerden und Vorwürfe sprachen jedoch dierussischen Gesandten Fürsten W o 1 k o n s k i und Iwanow ebenso wiedie polnischen Grosswürdenträger den Wunsch aus, dass der bestehendeFriede nicht gestört werden möge, und Sigismund versprach seineGesandten nach Moskau zu schicken. Die russischen Gesandten kehrtenam 13. Februar 1607 nach Russland zurück, warnten aber Wassilji,dass in Polen man allgemein die erste günstige Gelegenheit herbeisehne,um Russland den offenen Krieg zu erklären.
Inzwischen hatte Mstislawski nebst Gehulfen nicht nur Kalugaaus Kanonen und Mörsern beschossen, sondern auch einen ungeheurengedeckten Gang erbauen lassen, der an die Festung herangeführt, ange-zündet werden und dadurch die Umpfählung in Brand setzen sollte.Bolotnikow aber machte einen heftigen Ausfall und steckte selbst dengedeckten Gang in Brand, bevor er an die Festung herangeführt wordenwar. Bald danach erfuhren die Wojewoden, dass ein Rebellenheer ausPutiwl heranrücke, um Bolotnikow zu entsetzen. Es waren dies dieKühnsten aus den Sjäversker Abenteurern unter Führung des FürstenMossalski. Dieser zog zuerst auf Wjänew, schlug den es belagerndenChilkow, welcher sich nach Kaschira zurückzog, und wandte sich dannauf der Strasse von Bjelew nach Kaluga. Mstislawski schickte ihmein starkes Corps unter dem Bojaren Fürsten Iwan Nikititsch Ro-manow entgegen. Am Flüsschen Wyrka stiessen beide Theile aufein-ander, und der nun sich entspinnende harte und heisse Kampf endigte,nachdem er den ganzen Tag gewährt hatte, mit der Niederlage der Re-bellen, Mossalski selbst fiel. Darauf kehrte Ro man o w vor Kalugazurück, wo Bolotnikow sich mit dem Muthe der Verzweiflung zu ver-theidigen fortfuhr, die zarischen Truppen aber hatten keine rechten Er-folge, trotz einzelner gelungener Affairen im Felde. So zwang Chilkow,aus Kaschira ausrückend und sich mit Puschkin und Adadurowvereinigend, die in Serebrjany Prudy in einer Umpfählung festgesetztenEmpörer nach einem heftigen und den ganzen Tag dauernden Kampf,das Pfahlwerk in der Nacht zu übergeben. Am andern Tage erschien einHeerhaufen der Aufrührer, der aus der Ukraine den andern Rebellen zuHülfe zog, unter Befehl des Fürsten Mossalski (eines Andern) und desLithauers Storowski. 6 Werst von Serebrjany Prudy auf das zarische