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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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520 HI. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.

class er und seine Gefährten sich besänftigten. Die ganze moskauischeUkraine, mit alleiniger Ausnahme der Leute vom Rang, durch Spioneund Schreiben des Prätendenten aufgewiegelt, hatte sich von Godunowlosgesagt und trat freiwillig und mit Freuden auf die Seite des vermeint-lichen rechtmässigen Zarewitsch Demetrius. Aber auch vonden Leuten vom Rang erschien ein erster Verräther, der 2. Wojewodein Putiwl, Fürst Mossalski-Rubez. Er wiegelte selbst das Volkund die Ratniki auf, bemächtigte sich des Ober-Wojewoden MichaelMichail owitsch Saltykow, und schwur mit allen Leuten und Rat-niki dem Prätendenten einen Eid, 200 moskauische Strelitzen ausge-nommen, welche treu blieben; diese wurden entwaffnet, der Golowaunddie Sotniki zum Prätendenten geschickt. Die Unterwerfung von Putiwlwar für diesen ausserordentlich wichtig, sowohl weil diese für die Haupt-stadt der Sjäverschen Provinz galt, als auch, weil sie reich bevölkert undvon einer steinernen Mauer mit Tkürmen umgeben war, also eineFestung. Daher folgten ihrem Beispiele nach und nach auch alle Städteder südlichen Ukraine in einer Ausdehnung von 600 Werst von Westnach Ost.

Hierdurch angefeuert verdoppelte der Prätendent seine Anstreng-ungen zur Unterwerfung von Nowgorod-Sjäverski. Aus Putiwl wurden5 Belagerungs- und 8 Feld-Geschütze herangeholt, aus welchen am1. Dezember ein heftiges Feuer gegen die Citadelle begann. Ihre stei-nernen Mauern wurden häufig durchbohrt, aber Bässmanow setzte hart-näckig die Vertheidigung fort, trotzdem an einem Tage 80 Mann von ihmzum Prätendenten desertirten, und der Befehlshaber des bei Brjanskzusammengezogenen Heeres Godunow's, Fürst Dimitrji Schuiskiblieb in verdächtiger Weise unthätig, weil mit dem Prätendenten kämpfenohne erhebliche Ueberlegenheit an Kräften sehr misslich wäre, wes-halb er auch um Verstärkungen bat (das Alles war offenbare Lüge, da erauch ohne Verstärkung stärker war, als der Usurpator).

Aus allen diesen Vorgängen erkannte Godunow endlich, wie grossdie ihm drohende Gefahr sei, wie unangebracht es wäre, noch fernerein erlogenes Selbstvertrauen zu zeigen, wie nöthig zu entschiedenenMaassregeln gegriffen werden musste. In Folge dessen befahl er demFürsten Feodor Iwanowitsch Mstislawski bei Kaluga ein neuesHeer zu sammeln und ausserdem ein allgemeines Landes-Aufgebot ein-zuberufen , feierlich dem Volke in Moskau und überall zu verkünden,dass der Zarewitsch Demetrius wirklich todt sei, der UsurpatorOtrepj ew dessen Namen angenommen habe und desshalb dem Flucheder Kirche verfallen sei. Godunow selbst bewahrte äusserlich seineRuhe und die Würde des Herrschers, lehnte die von dem König vonSchweden, Karl IX., angebotene Entsendung eines Hülfs-Heeres ab,