Bemerkeuswertheste Kriege und Feldzüge. 363
konnte aber wegen der feindlichen Cavallerie nicht an sein [das rechte)Ufer heran. Nun griff das kasansche Schiffsheer von Neuern an, wurdeaber wieder zurückgetrieben. So währte der Kampf den ganzen Tag,zur Nacht aber gingen die Russen auf das rechte, die Kasanzer auf daslinke Ufer. Wie sie den andern Tag von einander losgekommen, ist nichtbekannt, wahrscheinlich aber ohne Kampf, denn das russische Eatjsegelte nach Nishni-Nowgorod weiter und kam daselbst wohlbehalten au.
Während dessen war der Fürst von Jaroslaw gleichfalls zu Schiffedie Wjätka und Kama hinab zur Wolga gekommen, und da er dieWjätschen nicht bereden konnte, mit ihm nach Kasan zu ziehen, so ent-schloss er sich, ohne sie auf der Kama zur Wolga zu fahren und vorKasan sich mit Bessubzow's Heere zu vereinen. Als er aber vor Kasananlangte, fand er die Wolga durch kasansche Schiffe versperrt, er wolltesich durchschlagen und Hess sich. trotzdem er weit schwächer war, ineinen Kampf mit ihnen ein. Die Russen thaten Wunder der Tapferkeit;besonders zeichnete sich Fürst Uchtomski aus, welcher zu Pferde aufdie zusammenhängenden kasanschen Schiffe galoppirte und mit seinemStreitkolben viele Kasanzer niederschlug. Die Russen büssten 430 MannTodte und Verwundete ein (unter den Ersteren der Fürst von Jaroslawund mehrere Wojewoden), brachten aber auch dem Feinde grosse Ver-luste bei, und endlich gelang es ihnen, namentlich durch die TapferkeitUchtomski's undderUstjuger, sich durchzuschlagen und Nishni-Now-gorod zu erreichen. Johann belohnte sie freigebig, zuerst zwei Mal miteinem Goldstück für Jeden, — sie gaben es aber beide Male ihrem Prie-ster, damit er für den Herrscher und sein ganzes Heer beten möge, —das 3. Mal mit Vorräthen an Mehl, Butter. Bogen und Pfeilen, Schaf-fellen, Tuchröcken ixnd Stoffen, mit dem Befehl, aufs Neue gegen Kasanzu Felde zu ziehen.
In den 4 bisherigen Feldzügen waren keine entscheidenden oderauch nur wichtigen Resultate erlangt, Alles hatte sich auf Verwüstung vonkasanschem Gebiet, Einäscherung der Vorstädte von Kasan, und Beutebeschränkt. Das konnte nicht für den Verlust entschädigen, welchen dasHeer des Jaroslawer Fürsten erlitten hatte, und bei allem Ruhm wardoch um so weniger gewonnen, als auch die Kasanzer durch Plünderungund Verheerung russischen Gebietes Vergeltung geübt und ausserdemWjätka ihrem Einflüsse unterworfen hatten. Wie viele russische Trup-pen in diesen 4 Feldzügen vor Kasan gestanden, ist nicht bekannt; dieUrsache des Misserfolges lag aber klar in dem Mangel an Einheit undUebereinstimmung in den Operationen, an Ordnung und Disziplin beiden Truppen. Die Befehle Johann's und seiner Wojewoden wurdennicht ausgeführt, — im Gegentheil — das Heer Bessubzow's wareigenmächtig vor Kasan gesegelt, und dort wieder hatten die jungen